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Geschichte die Zweite

Pikten
frühgeschichtliche Bewohner Schottlands, später zusammen mit den Skoten. Ihre Raubzüge gegen Britannien nach Abzug der Römer veranlassten die Briten, um 450 die Angeln und Sachsen zu Hilfe zu rufen. Die Pikten wurden durch Columban († 615) zum Christentum bekehrt.

Kolumban
Columba(n),
irischer Mönch, Heiliger, * um 543 Leinster, † 23. 11. 615 Bòbbio (Italien); kam um 590 als Wanderprediger nach Burgund; Gründer und Abt des Klosters Luxeuil. Von dort vertrieben, gründete er das Kloster Bòbbio.

Scoten / Skoten
frühgeschichtliche irische Völkerschaft, setzte im frühen Mittelalter von Irland nach Schottland über und vermischte sich dort mit den Pikten.

Briten / Britannier
die keltischen Einwohner des alten Britannien.

Angelsachsen
im 16. Jahrhundert aufkommende Bezeichnung für die Völkerschaften, die sich im 5./6. Jahrhundert in England festsetzten und bis zur normannischen Eroberung 1066 herrschten

Malcolm III. schottischer König 1058-1093
* um 1031  † 13. 11. 1093 Alnwick
(Auch Malcolm Canmore = „Dickkopf”). Der Sohn des von Macbeth ermordeten Duncan I. (König 1034-1040) begründete durch seinen Sieg in der Schlacht von Lumphanan über König Macbeth (1057) die Dynastie der Canmore und stärkte nach seinem Regierungsantritt die Position des schottischen Königshauses. Über seine zweite Gattin Margaret, die dem englischen Königshaus Wessex entstammte, wuchs der englische Einfluß in Schottland. Nach mehreren Einfällen in das 1066 von den Normannen eroberte England mußte Malcolm 1072 die Lehenshoheit Wilhelms I. (des Eroberers) anerkennen. Malcolm III. fiel im Kampf gegen die Anglo-Normannen.

Malcolm IV., König von Schottland, Malcolm The Maiden
König von Schottland 1153-1165, * 1141, † 1165; im Frieden mit Heinrich II. von England (1157) wurde die Grenze zwischen England und Schottland festgelegt.

Duncan
schottischer König keltischen Ursprungs, 1034-1040, bekannt in Verbindung mit seinem Mörder Macbeth, dem letzten Vertreter des rein keltischen Königtums in Schottland.

Macbeth König von Schottland 1040-1057
* um 1005  † 15. 8. 1057 bei Lumphanan, Aberdeen
Der Titelheld der Tragödie von William Shakespeare war nach dem Tod seines Vaters (um 1031) Provinzgouverneur von Moray. Seine Ansprüche auf den schottischen Thron begründete er mit verwandtschaftlichen Beziehungen und tötete 1040 König Duncan I. (1034-1040) in der Schlacht bei Elgin. Von Duncans Sohn Malcolm (III.) (König 1058-1093) bedrängt, mußte er diesem 1054 Südschottland abtreten und wurde von ihm in der Schlacht bei Lumphanan getötet.

Alexander I., König von Schottland
König von Schottland 1107-1124, * um 1080, † April 1124; herrschte über Schottland nördlich des Clyde einschließlich der Provinz Nord-Lothian, in Feindschaft mit seinem Bruder David, der die Provinz Cumbrien besaß. Alexander gründete Abteien und Bischofssitze und kämpfte für die Unabhängigkeit der schottischen Kirche.

David I., König von Schottland
* um 1082, † 1153, König von Schottland 1124-1153; organisierte sein Reich nach anglonormannischem Vorbild; wurde als Förderer des Mönchtums heilig gesprochen.

Bruce
schottisches Adelsgeschlecht, gewann 1306 mit Robert Bruce (* 1274, † 1329) den schottischen Thron, verlor ihn aber schon 1371 wieder mit David II. Bruce (* 1324, † 1371) an das Haus Stuart.

Robert I. Bruce schottischer König 1306-1329
* 11. 7. 1274 Turnberry, Ayrshire  † 7. 6. 1329 Cardross, Dumbartonshire
Robert I. Bruce usurpierte den schottischen Königsthron und vereinte Schottland im Kampf gegen England. Mit seinem Sieg über den englischen König Eduard II. in der Schlacht von Bannockburn schüttelte er die englische Vorherrschaft 1314 endgültig ab. 1328 erkannte England die schottische Unabhängigkeit formell an. Ergriff als Gegner des englischen Königs und des Papstes die Macht; einigte Schottland, erreichte dessen Unabhängigkeit und verhalf ihm zu internationaler Anerkennung.

Alexander III., König von Schottland
König von Schottland 1249-1286, * 4. 9. 1241 Roxburgh, † 18./19. 3. 1286; Sohn von König Alexander II., heiratete 1251 Margarete von England. 1263 verhinderte Alexander einen Landungsversuch des norwegischen Königs Haakon des Alten und gewann 1266 durch einen Vertrag mit Haakons Nachfolger die Isle of Man sowie die westlichen Hebriden.

Newcastle (Nordengland)
Newcastle upon Tyne,
Hafenstadt in Nordengland, nahe der Mündung des Tyne in die Nordsee, Verwaltungssitz der Grafschaft Tyne and Wear, 192 000 Einwohner; Schloss (12. Jahrhundert); gotische Kathedrale (14. Jahrhundert), Universität (gegründet 1852), Kohlenexporthafen; Schiff-, Flugzeug- und Lokomotivbau, chemische Industrie.

Stirling
Hauptstadt der schottischen Central Region, 38 600 Einwohner; schottisches Königsschloss; Universität (1967).

Perth
Stadt in der mittelschottischen Tayside Region, am Firth of Tay, 42 000 Einwohner; Glas- und Textilindustrie; zeitweise Hauptstadt Schottlands.

Eduard II., König von England
englisch Edward II.,
König von England 1307-1326, * 25. 4. 1284 Caernarvon Castle, † 21. 9. 1327 Berkeley Castle (ermordet); Sohn von Eduard I.; trug als erster englischer Thronfolger den Titel Prince of Wales (1301), musste 1323 die schottische Unabhängigkeit wieder anerkennen; wurde vom Hochadel, an dessen Spitze seine Frau Isabella trat, 1325 gefangen genommen und 1327 ermordet.

Bannockburn
schottische Stadt südöstlich von Stirling, 6000 Einwohner; durch den Sieg des schottischen Fußheeres unter Robert I. Bruce über das englische Reiterheer unter Edward II. am 23. 6. 1314 bei Bannockburn festigte Schottland seine Unabhängigkeit gegenüber England.

Eduard I. König von England 1272-1307
* 17. 6. 1239 Westminster  † 7. 7. 1307 Burgh by Sands bei Carlisle
Der älteste Sohn König Heinrichs III. (1216-1272) gilt als bedeutendster Herrscher aus dem Haus Plantagenet. Schon vor seiner Krönung weitgehend selbständig regierend, behauptete Eduard im Kampf mit Simon de Montfort das Königtum gegenüber dem Hochadel (Statut von Marlborough 1267), drängte den kirchlichen Einfluß zurück, richtete eine zuverlässige Verwaltung ein und erließ als „Justinian Englands” zahlreiche Reformgesetze, vor allem zur Vereinheitlichung und Fortentwicklung des Rechtswesens. Sein Versuch, die Sonderstellung der Juden durch das Statutum de Judaismo (1275) aufzuheben, das den Juden einerseits Pfandleihgeschäfte untersagte und andererseits Pacht und Handel erlaubte, scheiterte, so daß er 1290 die Juden aus England auswies. 1276-1284 unterwarf er Wales und wurde 1292 Oberlehnsherr von Schottland, das er nach einem Aufstand 1298 vorläufig zurückeroberte.
Verbündet mit deutschen Fürsten, führte Eduard I. lange Kämpfe gegen die französische Krone um seine südfranzösischen Besitzungen. Den Frieden von 1303 besiegelte die Heirat seines Sohnes und Nachfolgers Eduard II. mit Isabella (* 1292, † 1358), der Tochter Philipps IV. (des Schönen) von Frankreich (1308). Die hieraus erwachsenen englischen Ansprüche auf den franzischen Thron waren Anlaß für den Beginn des Hundertjährigen Krieges nach Erlöschen der französischen Dynastie der Capetinger. Um der Schwierigkeiten im Lande Herr zu werden, berief Eduard I.1295 das Model Parliament („Musterparlament”) ein, das mit der Hinzuziehung der Gemeinen (Commons) als Vertreter der Städte und Grafschaften die Parlamentsgeschichte einleitete. Für seinen Thronfolger Eduard II. führte er 1301 den Titel Prince of Wales ein.

Hinrichtung Maria Stuarts
Der englische Vizekanzler Hatton verliest die Anklage gegen die ehemalige Königin von Schottland, die 1587 in England hingerichtet wird:
„Die Mitglieder der Kommission teilten ihr die Kernpunkte ihres Auftrages und die Namen der Mitglieder mit, damit sie sehen sollte, daß man nach Recht und Billigkeit gegen sie verfahren wolle und nicht mit Hilfe eines gesetzlichen Kniffs oder eines außerordentlichen Verfahrens. Sie erhob keinen Einwand gegen die Mitglieder der Kommission, verwahrte sich aber mit größter Schärfe gegen das jüngst erlassene Gesetz (über die Todesstrafe gegen Personen, die unrechtmäßige Ansprüche auf den englischen Thron erheben), die alleinige Grundlage des Auftrages der Kommission. Es sei rechtswidrig, vorsätzlich gegen sie gerichtet, ohne Beispiel und solcher Art, daß sie sich ihm niemals unterwerfen wolle....
Vizekanzler Hatton sagte: „Ihr seid angeklagt, das Verderben unserer Herrin und erhabenen Königin Elisabeth I. geplant zu haben. Ihr sagt, Ihr wäret eine Königin, das mag so sein. Aber wo es sich um ein solches Verbrechen (Verschwörung) handelt, ist auch die königliche Würde nicht davon befreit, Rede und Antwort zu stehen, weder nach Zivilrecht oder Kanonischem Recht noch nach Völker- oder Naturrecht. Dürften solche Verbrechen ungestraft begangen werden, so würde alles Recht wanken, ja der Boden stürzen. Seid Ihr unschuldig, so gefährdet ihr Euren eigenen Ruf, wenn Ihr Euch einem Verfahren zu entziehen sucht. ””

Saint Andrews
mittelschottische Stadt an der Nordseeküste, in der Region Fife, 11 300 Einwohner; Universität (1411), Kathedralenruine (12. Jahrhundert); Seebad.

Rosenkriege
eine Reihe von Bürgerkriegen (1455-1485) zwischen den Häusern Lancaster (Rote Rose) und York (Weiße Rose) des englischen Königshauses Plantagenet um die Thronfolge. Nachdem das Haus York Heinrich VI. den Thron streitig gemacht und diesen 1461 (bis 1483) mit Eduard IV. besetzt hatte, gingen die Ansprüche des Hauses Lancaster nach Heinrichs VI. Tod und seiner Erben Ermordung auf Heinrich Tudor, Earl of Richmond, über (1471). Nach der Schlacht bei Bosworth (1485) zwischen dem Bruder Eduards IV., Richard III., und dem Earl of Richmond wurde letzterer als Heinrich VII. (Haus Tudor) zum König ausgerufen. Die Rosenkriege waren das Ergebnis einer feudalen Anarchie und der Konzentration der Macht in den Händen weniger Magnaten, die sich Privatarmeen hielten. Der Wunsch nach Ruhe und Ordnung nach den Wirren der Rosenkriege führte zu einer Stärkung der königlichen Zentralgewalt.

Jakob IV., König von Schottland
König von Schottland 1488-1513, * 17. 3. 1473, † 9. 9. 1513 Flodden Field (gefallen); Enkel von Jakob II., verheiratet mit Margarete Tudor (* 1489, † 1541), der Schwester Heinrichs VIII.; schloss 1512 einen Pakt mit Frankreich gegen England.

Jakob II., König von Schottland
König von Schottland 1437-1460, * 16. 10. 1430 Holyrood, Edinburgh, † 3. 8. 1460 Roxburgh Castle (gefallen); Sohn von Jakob I.; suchte das Königtum gegen den Adel zu stärken und betrieb im Bündnis mit Frankreich eine expansive Politik gegenüber England.

Jakob I., König von Schottland
König von Schottland 1406-1437, * Juli 1394 Dunfermline, † 20. 2. 1437 Perth (ermordet); versuchte den Widerstand des Adels durch Stärkung der königlichen Kompetenzen zu brechen.

Maria Stuart Königin von Schottland1542-1567
* 8. 12. 1542 Linlithgow  † 8. 2. 1587 Fotheringhay
Durch den Tod ihres Vaters, König Jakob V. (1513-1542), wenige Tage nach ihrer Geburt schon schott. Königin, wuchs Maria Stuart unter der Regentschaft ihrer französischen Mutter Maria von Lothringen (* 1515, † 1560) seit 1548 in Frankreich auf. Durch ihre Heirat mit dem französischen Thronfolger Franz (II.) (1558) war Maria 1559/60 französische Königin. Mit ihrer Rückkehr nach Schottland (1561) nach Franz' Tod rief sie mehrfachen Widerstand hervor: Als in Frankreich erzogene Katholikin provozierte sie die Opposition der an England orientierten protestantischen Lords; ihre Anerkennung der presbyterianischen Kirche konnte nur kurzfristig über diesen Riß hinwegtäuschen. Während sie die protestantische Rebellion nach ihrer Heirat mit ihrem katholischen Vetter Henry Stuart Damley (1565), der ihren Vertrauten David Riccio (* um 1533, † 1566) ermorden ließ, noch unterdrücken konnte, brach nach der Ermordung Darnleys 1567 durch James Hepburn, Earl of Bothwell (* um 1536, † 1578), angeblich im Einverständnis mit Maria, und ihrer Heirat mit Bothwell drei Monate später ein Aufstand des calvinistischen Adels unter James Douglas Morton aus. Maria wurde abgesetzt und floh 1568 nach England zu Elisabeth I., von der sie sich Unterstützung in monarchischer Solidarität erhoffte. Als Urenkelin Heinrichs VII. galt Maria jedoch den englischen Katholiken als rechtmäßige Anwärterin auf den englischen Thron und wurde von Elisabeth als Konkurrentin 19 Jahre in Haft gehalten. Unter dem Einfluß William Cecil Burghleys wurde sie schließlich wegen einer (angeblichen) Verschwörung gegen Elisabeth verurteilt und enthauptet. Ihr Sohn aus der Ehe mit Darnley, Jakob I. folgte ihr auf den Thron in Schottland und wurde nach dem Tod Elisabeths 1603 auch König von England (Haus Stuart).

Jakob I., König von England
König von England 1603-1625 und als Jakob VI. König von Schottland seit 1567, * 19. 6. 1566 Edinburgh, † 27. 3. 1625 Theobalds Park, Hertfordshire; Sohn der Maria Stuart, wurde nach der Abdankung seiner Mutter König von Schottland. Jakob verband sich im Interesse seiner Anwartschaft auf den englischen Thron 1586 mit Königin Elisabeth I. gegen Spanien. Nach dem Tod Elisabeths (1603) vereinigte er die Kronen von Schottland und England in Personalunion. Er verfocht in seinen Schriften „The True Lawe of Free Monarchies” (1598) und „Basilikon Doron” (1599) die Theorie vom göttlichen Herrscherrecht der Könige. Seine Versuche, absolutistisch zu herrschen, setzten Jakob in Widerspruch zum Parlament.

Elisabeth I., Königin von England
Elizabeth I.,
Königin von England 1558-1603, * 7. 9. 1533 Greenwich, † 24. 3. 1603 Richmond; Tochter Heinrichs VIII. und der Anna Boleyn, unter der Regierung Marias der Katholischen 1554 im Tower gefangen gehalten, wurde sie nach deren Tod 1558 vom Parlament als Thronfolgerin anerkannt. Sie machte England zur protestantischen Vormacht Europas (anglikanische Staatskirche; Sieg über Spanien; Flotten- und Kolonialpolitik). Elisabeth besaß große politische Fähigkeiten und verstand es, sich tüchtige Berater, wie Lord Burleigh, zu wählen. Ihre vermittelnde Politik suchte mit Erfolg die Ansprüche von Staat, Verwaltung und Gesellschaft in Einklang zu bringen. Wegen ihrer Ehelosigkeit wurde sie die „jungfräuliche Königin” genannt; ihre bekanntesten Günstlinge waren Lord Leicester und Lord Essex. Die Hinrichtung der schottischen Königin Maria Stuart 1587 wurde vom Parlament und nicht von ihr persönlich verlangt. Elisabeths Ära, in der Shakespeare lebte und die Renaissancekultur in England blühte, heißt nach ihr das Elisabethanische Zeitalter.

24.3.1603
Britische Inseln Stuart-Dynastie: Nach dem Tod der kinderlosen Königin Elisabeth I. (seit 1558) fällt die englische Krone an den schottischen König Jakob VI., der nun als Jakob I. die Kronen Schottlands, Englands und Irlands in Personalunion vereint. Er ist der Sohn der 1587 in England hingerichteten früheren schottischen Königin Maria Stuart.

6./7.12.1648
England Das Parlament wird durch Teile der Armee „gesäubert”: 80 Presbyterianer werden vertrieben, weitere 60 fliehen. Das Rumpf-Parlament wird von Radikalen beherrscht, die eine republikanische, demokratische Staatsordnung anstreben („Leveller”). Die zweite Phase des Bürgerkriegs beginnt.

17./18. 1. 1648
England Der Sieg Oliver Cromwells bei Preston über ein schottisches Heer, das König Karl I. aus der Gefangenschaft befreien sollte, beendet die erste Phase des englischen Bürgerkrieges (seit 1642) zugunsten der aufständischen Parlamentarier.

Cromwell
Oliver, englischer Staatsmann, * 25. 4. 1599 Huntingdon, † 3. 9. 1658 London; Vater von Richard Cromwell; Puritaner, diente sich nach Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen König und Parlament im Parlamentsheer empor, mit dem er die königlichen Kavaliere 1644 bei Marston Moor und 1645 bei Naseby besiegte. 1647 bemächtigte er sich König Karls I., der 1649 auf Drängen des Parlaments hingerichtet wurde. England wurde Republik, und 1653 erhielt Cromwell als „Lord Protektor” die oberste Staatsgewalt, die er zugunsten der englischen Seemacht und Kolonialherrschaft ausübte. England wurde zum mächtigsten Staat Europas. Cromwell konnte aber nicht die innere Festigung Englands erreichen, sondern war gezwungen, seine weitblickenden Pläne mit Gewalt durchzusetzen. So zerfiel sein Verfassungswerk bald nach seinem Tod, und erst im 19. Jahrhundert wurde die Geschichtswissenschaft seiner Bedeutung gerecht.

Karl I. König von England und Schottland 1625-1649
* 19. 11. 1600 Dunfermline, Schottland  † 30. 1. 1649 London
Eingenommen von der Idee des Gottesgnadentums versuchte Karl, Sohn und Nachfolger Jakob I., mit Hilfe einer parlamentsunabhängigen Steuerpolitik und einer zentralistischen „anglo-katholischen” Kirchenpolitik eine quasi-absolutistische Herrschaft zu installieren. Nachdem er bei seinen ersten drei Parlamenten (1625, 1626 und 1628/29) auf heftige Opposition stieß, regierte er 1629-1640 ohne Parlament. Er scheiterte schließlich, als er mit der Einführung der anglikanischen Bischofskirche im presbyterianischen Schottland dort einen Aufstand provozierte (1. Bishop's War 1639), der ihn zwang, zur Finanzierung des Krieges wieder ein Parlament einzuberufen, das sich indes als nicht weniger widerspenstig erwies und ebenfalls aufgelöst wurde (Short Parliament).
Der Konflikt mit dem neuen, zur Finanzierung des 2. Bishop's War einberufenen Long Parliament (1640-1653, 1659/60) kulminierte in der Englischen Revolution (1640-1660). Im offenen (1.) Bürgerkrieg (1642-45/46) wurden die Truppen des Königs bei Marston Moor (1644) und Naseby (1645) von der Parlamentsarmee unter Oliver Cromwell geschlagen. Nach der Niederlage gegen die New Model Army Cromwells im 2. Bürgerkrieg (1648) wurde Karl - nachdem mehrere Vermittlungsversuche gescheitert waren - auf Betreiben Cromwells hingerichtet.

Wilhelm III. von Oranien König von England
Schottland und Irland 1689-1702, Statthalter der Niederlande 1672-1702
* 14. 11. 1650 Den Haag  † 19. 3. 1702 London
(In Schottland Wilhelm II., in Irland Wilhelm I.). Der Sohn Wilhelms II. von Oranien (* 1626, † 1650) und Marias, einer Tochter Karls I. von England, widmete sich in den Niederlanden wie später in Großbritannien vordringlich der Abwehr der Hegemonialansprüche Frankreichs. In den Niederlanden zunächst unter Johan de Witt vom Amt des Statthalters ferngehalten, erhielt Wilhelm nach dem Einfall Ludwigs XIV das Oberkommando im Holländischen Krieg (1672-1678). 1677 heiratete er seine Cousine Maria, die ältere Tochter König Jakobs II., um das Bündnis mit England zu stärken, und schloß 1678 den Frieden von Nijmegen mit Frankreich.
Auf Einladung mehrerer Lords aus beiden Parteigruppen (Whigs und Tories), die König Karl II. wegen seiner katholischen Neigungen stürzen wollten, landete Wilhelm 1688 in England, vertrieb den letzten Stuartkönig in der Glorious Revolution (1688/89) und schlug auch dessen Invasionsversuch in Irland zurück (1690). 1689 wurde er gemeinsam mit Maria gekrönt. Mit der Vereidigung auf die Declaration of Rights von 1689 stimmte Wilhelm der konstitutionellen Grundlage seiner Krone zu, die damit zu einem Staatsorgan geworden war. Im Act of Settlement (1701), der zugleich die Thronfolge zugunsten des Hauses Hannover regelte, wurden die königlichen Befugnisse durch die Trennung vom königlichen und vom öffentlichen Haushalt beschnitten. Nachdem Wilhelm seine Anerkennung als englischer König durch Frankreich im Frieden von Rijswijk erreicht hatte (1697), bemühte er sich, die Ansprüche Ludwigs XIV. auf den vakant werdenden Spanischen Thron zu beschränken. Als dieser nach dem Tod Karls II. 1700 ganz Spanien für seinen Enkel Philipp V. beanspruchte, schmiedete Wilhelm die Große Allianz, die im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713/14) die drohende Hegemonie Frankreichs abwehrte. Nachfolgerin Wilhelms in England wurde seine Schwägerin Anna Stuart, während das Amt des Statthalters in der Niederlanden vakant blieb.

Maria II. Königin von England 1689-1694
* 30. 4. 1662 London  † 28. 12. 1694 London
(Auch Maria II. Stuart). Die älteste Tochter Jakobs II. heiratete 1677 ihren Vetter Wilhelm III. von Oranien und unterstützte ihn bei der Landung in England, als ihr Vater wegen seiner prokatholischen Politik während der Glorious Revolution (1688/89) vertrieben wurde. 1689 gemeinsam mit Wilhelm gekrönt, war Maria gleichberechtigte Mitregentin, überließ diesem jedoch weitgehend die Staatsgeschäfte

Die Stuarts
Als Elisabeth I. 1603 kinderlos starb und die Thronfolge an den schottischen Stuart Jakob VI. fiel, wurde Schottland in Personalunion mit England vereinigt. Die so mit Jakob I. beginnende Stuart-Dynastie geriet durch ihre Hinneigung zum Katholizismus und ihren Anspruch auf eine absolute Herrschaft in Gegensatz zum englischen Volk und zum Parlament. Der Gegensatz verschärfte sich unter Karl I., der 1629-1640 ohne Parlament regierte. Als sich die Schotten gegen die Unterwerfung unter die englische Staatskirche zur Wehr setzten, war der König, um das zur Aufstellung eines Heeres nötige Geld zu erhalten, gezwungen, 1640 das Parlament einzuberufen. Dieses beschnitt die Rechte des Königs und stellte sich auf die Seite der streng kalvinistischen Puritaner. Die Puritaner schlugen unter Oliver Cromwell die Königlichen in offener Feldschlacht. Mit der Hinrichtung des Königs 1649 nahm England die republikanische Staatsform an. Der eigentliche Herrscher (als „Landprotektor”) war Cromwell, der die aufständischen Schotten niederwarf und Irland eroberte. Die Navigationsakte 1651 versetzte vor allem dem holländischen Seehandel einen vernichtenden Schlag. 1660 wurde das Königtum wiederhergestellt. Karl II. vermied den offenen Kampf mit dem Parlament, sein katholischer Bruder Jakob II. (1685-1688) konnte ihm in der Herrschaft folgen. Da dieser die Rückführung Englands und Schottlands zum Katholizismus erstrebte, wurde er durch seinen vom Parlament gerufenen Schwiegersohn Wilhelm von Oranien vertrieben (Glorreiche Revolution); dieser wurde als Wilhelm III. englischer König.
Der durch die Ausbeutung der Kolonien in das Land strömende Reichtum hob England über die anderen europäischen Mächte empor. Wilhelm III. bekämpfte die stärkste Festlandsmacht, das Frankreich Ludwigs XIV., und sicherte sich dabei die Unterstützung der anderen europäischen Mächte. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) wurde Frankreich entscheidend geschwächt; der Friede von Utrecht 1713 brachte außer Kolonialgewinn in Nordamerika die Bestätigung des Besitzes von Gibraltar und damit die englische Präsenz im Mittelmeer. Unter Königin Anna (Stuart) wurden England und Schottland 1707 auch staatsrechtlich vereinigt und führten seitdem den Namen Großbritannien.

Glorreiche Revolution
englisch Glorious Revolution,
die englische Revolution von 1688/89, so genannt wegen ihres unblutigen Verlaufs; Großbritannien.

Jakobiten
englisch Jacobites,
die Anhänger des durch die Glorreiche Revolution 1688 aus England vertriebenen Stuartkönigs Jakob II. und seiner Nachkommen. Besondere Unterstützung fanden die Jakobiten in Schottland. - Ein sentimentaler Jakobismus lebte bis in den 1. Weltkrieg fort, in dem sich die Jakobiten für Prinz Rupprecht von Bayern als den legitimen schottischen König einsetzten.

Anna Stuart Königin von Großbritannien und Irland 1702-1714
* 6. 2. 1665 London  † 1. 8. 1714 Kensington
Protestantisch erzogen, unterstützte Anna Stuart in der Glorious Revolution ihren Schwager Wilhelm III. von Oranien beim Sturz ihres katholischen Vaters Jakob II. und folgte Wilhelm nach dessen Tod auf den englischen Thron. Annas Regierungszeit war außenpolitisch von Englands Verwicklung in den Spanischen Erbfolgekrieg, innenpolitisch von heftigen Parteikämpfen der Whigs und Tories gekennzeichnet. Als ihr größter Erfolg gilt die Herstellung der Realunion von Schottland und England (1707). Bis 1710 mußte Anna zur Kriegführung mit Whig-Ministern, u.a.John Churchill, Herzog von Marlborough, regieren. Danach stützte sie sich auf ein Tory-Kabinett, das ihren protestantisch-hochkirchlichen Anschauungen besser entsprach. Mit dem Frieden von Utrecht (1713) zur Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges erzielte sie Gebietsgewinne in Nordamerika (Neufundland, Neuschottland, Hudson Bay) und erhielt von Spanien Gibraltar und Menorca. Vermählt mit dem Prinzen Georg von Dänemark († 1708), gebar sie 13 Kinder, die alle vor ihr starben. Entsprechend der Thronfolgeregelung im Act of Settlement (1701) stellte nach dem Tod Annas als der letzten Vertreterin des Hauses Stuart das protestantische Königshaus Hannover die englischen Könige (bis 1837). Nachfolger: Georg I.

Georg I. König von Großbritannien und Irland 1714-1727
28. 3. 1660 Hannover † 11. 6. 1727 Osnabrück (Als Georg Ludwig seit 1698 Kurfürst von Hannover).
Der Urenkel König Jakobs I. von England kam nach der letzten Stuart-Königin Anna entsprechend dem Act of Settlement von 1701 auf den englischen Thron und begründete mit seiner Personalunion die Dynastie des Hauses Hannover in England. Sprachunkundig und uninteressiert an den Verhältnissen in seinem Königreich (in dem an seinen von ihm englisch geadelten Mätressen Anstoß genommen wurde), überließ er die Regierung weitgehend der Whig-Partei und ihrem Premierminister Robert Walpole (seit 1721) und begründete damit die jahrzehntelange Herrschaft der Whigs, die sich durch die Verwicklung der Tories in einen 1715 niedergeschlagenen Aufstand der Jakobiter (Anhänger der Stuarts) noch befestigte. 1705 vereinigte Georg das Fürstentum Lüneburg mit Hannover, das er 1715 noch um die Herzogtümer Bremen und Verden ergänzte. Nachfolger: Sohn Georg II.

27. 4. 1746
Letzter Stuart-Aufstand niedergeschlagen: Karl Eduard, Sproß des katholischen Herrscherhauses Stuart, unterliegt englischen Truppen in der neuntägigen Schlacht von Culloden Moor. Er hatte mit französischer Unterstützung die Usurpation des britischen Throns angestrengt.

Inverness (Stadt)
Hafen und Hauptstadt der schottischen Highland Region, nahe der Mündung des Kaledonischen Kanals in den Moray Firth, 39 700 Einwohner; Schaf- und Wollhandel, Textil-, Werft- und Holzindustrie; Fremdenverkehr.

Karl II. König von England und Schottland 1660-1685
* 29. 5. 1630 London  † 6. 2. 1685 London
Als Prinz von Wales kämpfte der Sohn König Karls I., der seine Kindheit in Frankreich und Holland verbracht hatte, seit 1646 im Englischen Bürgerkrieg. Nach der Hinrichtung seines Vaters 1649 in Schottland zum König ausgerufen, wurde er 1651 von Oliver Cromwell bei Worchester geschlagen und ging erneut ins Exil nach Frankreich. 1660 kehrte er nach England zurück und beendete, gestützt auf die Armee George Moncks, die Ära des republikanischen Commonwealth (1649-1659).
Mit seinem geschickt taktierenden Lordkanzler Edward Hyde Clarendon (bis 1667), betrieb Karl zunächst eine vorsichtige Restaurationspolitik, die sich in den von der parlamentarischen Oligarchie gesteckten Grenzen hielt. Durch den Clarendon Code (1661-1665) wurde die Anglikanische Kirche als Staatsreligion wiederhergestellt. 1670 schloß Karl ein Geheimbündnis mit Frankreich, das ihm beträchtliche Subsidienzahlungen gegen die Zusicherung der Rekatholisierung Englands in Aussicht stellte. Ansätze zu einer Förderung der Katholiken durch eine Politik der religiösen Toleranz (Indulgenzerklärungen 1672) scheiterten jedoch am Widerstand des Parlaments, das von der katastrophalen Finanzlage der Krone profitierte und 1673 den Ausschluß der Katholiken von öffentlichen Ämtern durchsetzte (Test Act). Karl versuchte daher zunehmend, unabhängig von parlamentarischen Geldbewilligungen zu regieren und sich eine eigene Hofpartei im Parlament zu halten (aus der später die Tories hervorgingen, während sich die Oppositionellen als Whigs formierten). Im Zuge der Krise nach Aufdeckung einer angeblichen Katholikenverschwörung (Popish Plot 1678) mußte er jedoch mit der Habeas-Corpus-Akte des Parlaments die erste gesetzliche Garantie bürgerlicher Grundrechte zulassen (1679), um den Ausschluß seines Bruders Jakobs II. von der Thronfolge zu verhindern. Die letzten Jahre regierte er in absolutistischer Manier.
Außenpolitisch verfolgte er in Rivalität mit Holland die koloniale Expansion (2. und 3. holländ.-engl. Seekrieg 1664-1667, 1672-1674). - In der Regierungszeit Karls stieg England zu kultureller Blüte auf, die er durch sein künstlerisches und wissenschaftliches Mäzenatentum (Gründung der Royal Society) förderte. Nachfolger: Jakob II.

Kilt
knielanger, mit Schnallen oder Nadel zusammengehaltener Faltenwickelrock, in den Clan-Farben kariert; Teil der Nationaltracht und Paradeuniform der Schotten; heute modischer Frauenrock

Dudelsack
volkstümliches Blasinstrument, das nicht unmittelbar mit dem Mund angeblasen, sondern aus einem Ledersack mit Luft versorgt wird. Der Bläser füllt den Sack mit Atemluft und regelt den Luftdruck für die Schalmei durch Druck mit dem Arm. Sackpfeifen haben ein oder zwei mit Grifflöchern versehene Melodiepfeifen und 1-3 Stimmer, Brummer oder Bordunpfeifen, die Grundton und Quinte ständig mitklingen lassen. Die Sackpfeife ist asiatischen Ursprungs, heute schottisches Nationalinstrument. Eine hochkultivierte Sackpfeife war die Musette.

Wolfgang Amadeus Mozart
österreichischer Komponist, * 27. 1. 1756 Salzburg, † 5. 12. 1791 Wien; Sohn von Leopold Mozart; vor L. van Beethofen und neben J. Haydn der bedeutendste Komponist der klassischen Periode; erregte bereits im Alter von 6 Jahren als Klaviervirtuose gemeinsam mit seiner Schwester „Nannerl” (Maria Anna Mozart, * 30. 7. 1751 Salzburg, † 29. 10. 1829 Salzburg) am Wiener Hof und auf einer 3-jährigen Kunstreise 1763-1766 durch zahlreiche deutsche Städte sowie Paris und London größtes Aufsehen. In London wirkte Joh. Chr. Bach auf sein frühes Schaffen ein, in Paris lernte er Johann Schobert kennen und in Wien J. Haydn, dem er 1785 seine drei Streichquartette widmete. Bereits mit 9 Jahren schrieb er seine erste Oper „Apollo und Hyacinthus”. 1769 ernannte der Erzbischof von Salzburg den Dreizehnjährigen zu seinem Konzertmeister. Die noch im selben Jahr unternommene Konzertreise nach Italien, auf der er starke Eindrücke von der italienischen Oper empfing, wurde zu einem einzigen Triumphzug. - Seine folgende Tätigkeit in Salzburg wurde durch 2 weitere Reisen, nach Italien und über München und Mannheim nach Paris, unterbrochen. In dieser Epoche folgte Werk auf Werk: die für Mailand geschriebene Oper „Mitridate, Rè di Ponto” 1770, die Opern „Lucio Silla” 1772 und „Idomeneo” 1781, 13 Sinfonien, 6 Klavierkonzerte, 13 Klaviersonaten, 13 Violinsonaten, sämtliche Violinkonzerte, 11 Messen, 6 Streichquartette, die Oper „Il rè pastore” 1775, die Musik zu „König Thamos” und viele kleinere Werke. 1781 übersiedelte er, veranlasst durch die würdelose Behandlung in Salzburg, nach Wien und wurde zu einem von höfischen Anstellungen unabhängigen Komponisten. Hier heiratete er 1782 kurz nach der Wiener Aufführung seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail” Konstanze Weber, die ihm später 6 Kinder schenkte, von denen jedoch nur 2 Knaben am Leben blieben. - Die folgende, von ständigen Geldsorgen überschattete Wiener Zeit ist die Epoche seiner vollendeten Meisterwerke, unter denen neben den letzten Sonaten, Sinfonien, Streichquartetten und Messen das „Requiem”, sein letztes (durch F. X. Süßmayr beendetes) Werk, sowie die Opern „Der Schauspieldirektor” 1786, „FigarosHochzeit” 1786, „Don Giovanni” 1787, „Così fan tutte” 1790, „Titus” 1791 und „Die Zauberflöte” 1791 hervorragen.
Mozart vermochte, alle wichtigen musikalischen Tendenzen seiner Zeit in eine eigenständige Kompositionsweise zu integrieren. Sein Werk zeichnet sich durch melodischen Reichtum, eine vor ihm unerreichte Ausgeglichenheit von Form und Inhalt, Durchsichtigkeit und feinstes Klangempfinden aus. Während früher zuerst die glückliche Unbeschwertheit der Mozart'schen Musik gesehen wurde, entdeckte man besonders seit dem 1. Weltkrieg die „dämonischen” Züge in seinem Werk. Heute versucht man, Person und Werk im Verhältnis zu ihrer Umwelt zu sehen. Auf dem Gebiet der Oper löste er die überkommenen Formen von Opera seria, Opera buffa und Wiener Singspiel aus ihrer starken Schematik, indem er u. a. der Musik durch Erweiterung der Schlussszenen und Betonung der Ensembleszenen ein dramatisches Gewicht gab. - Mozarts Werke erscheinen seit 1953 in einer neuen Ausgabe, herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg. Das chronologisch-thematische Verzeichnis seiner Werke veröffentlichte 1862 Ludwig Ritter von Köchel (Köchel-Verzeichnis, Abkürzung: KV). Es zählt neben den Opern und dem Requiem auf: 40 Lieder, Konzertarien, Duette, Terzette, Kanons u. a., 40 Sinfonien, 31 Serenaden, 43 Instrumentalkonzerte (darunter 25 Klavierkonzerte), über 30 Streichquartette und Streichquintette, zahlreiche Klaviertrios, Violinsonaten, Klaviersonaten, Sonatensätze für Orgel, Messen, Vespern, Litaneien, ferner Fantasien, Variationen, Tänze und viele kleinere Werke.

Montgolfier Joseph-Michel
französischer Papierfabrikant, Erfinder des Warmluftballons, * 26. 8. 1740 Vidalon-lès-Annonay, † 26. 6. 1810 Balaruc-les-Bains; Bruder von Jacques-Étienne Montgolfier; baute einen durch erwärmte Luft gehobenen Ballon (Montgolfière), der am 21. 11. 1783 bei Paris den ersten bemannten freien Flug ausführte.
Montgolfier Jacques-Étienne
französischer Papierfabrikant, * 7. 1. 1745 Vidalon-lès-Annonay, † 2. 8. 1799 Serrières; Mitarbeiter an den Erfindungen seines Bruders Joseph-Michel Montgolfier

USA
Die Kolonialzeit
Im 17. Jahrhundert wurden mit Hilfe englischer Handelskompanien an der Ostküste Nordamerikas 5 Freibriefkolonien gegründet: 1607 Virginia, 1620 Plymouth, 1630 Massachusetts, 1635 Connecticut, 1636 Rhode Island. Zudem verliehen britische Könige einflussreichen Persönlichkeiten sog. Eigentümerkolonien: Maryland, Carolina, Pennsylvania, Georgia. Die Krone selbst gewann durch Zurücknahme von Freibriefen und Eroberung Kolonialbesitz. Südlich der sog. Neuengland-Kolonien (Plymouth, Massachusetts, Connecticut, Rhode Island, New Hampshire) entstanden die Neuniederlande und Neuschweden. Die Holländer unterwarfen 1655 das schwedische Territorium, doch fiel ihre erweiterte Kolonie in zwei Seekriegen 1664 und 1688 den Briten zu, die sie New York nannten und New Jersey und Delaware davon abtrennten. Diese 13 Kolonien bildeten den Kern der späteren USA.
Die Einwanderer kamen größtenteils von den Britischen Inseln. Auch Pfälzer, Böhmen und Schweizer, Hugenotten, Niederländer und Wallonen, Juden aus Spanien und Portugal fanden sich ein. Die Kolonien wurden bald in Machtkämpfe zwischen England, Frankreich, Spanien und den Niederlanden hineingezogen. Als die Franzosen außer Kanada das Mississippital und Louisiana erschlossen und sich mit den Spaniern (Florida) verbündeten, drohte den angelsächsischen Kolonien die Umklammerung. Im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 verlor Frankreich alle seine nordamerikanischen Festlandsbesitzungen. Kanada und Louisiana (bis zum Mississippi) fielen an England; den Rest bekam Spanien.
Der Unabhängigkeitskampf
Der Sieg hob das Selbstbewusstsein des Kolonialvolks. Da England die Kriegsfolgelasten finanzpolitisch auszugleichen suchte und aus Eigeninteresse das Vordringen der Pioniersiedler in den Raum zwischen Alleghanies und Mississippi verhinderte, wuchs der Widerstand. Die Kolonisten (1775: 2,5 Mio.) forderten Gleichberechtigung; sie wollten im Londoner Parlament vertreten sein.
Der Einsatz britischer Streitkräfte gegen Massachusetts führte zum Unabhängigkeitskrieg 1775-1783. Die Unabhängigkeitserklärung (4. 7. 1776) des Kongresses (T. Jefferson, B. Franklin, J. Adams u. a.) zerschnitt das Band zwischen den Kolonien und England. Die Briten behaupteten Kanada und besetzten fast alle Küstenstädte. Doch das Eingreifen Frankreichs und Spaniens brachte die Entscheidung zugunsten der Amerikaner. Im Frieden von Versailles 1783 gewannen die früheren Kolonien ihre volle Unabhängigkeit und erhielten das Hinterland bis zum Mississippi.
Zunächst bildeten sie aufgrund der 1777 beschlossenen Konföderationsartikel nur einen lockeren Staatenbund. Handelsstockungen, Inflation und soziale Unruhen machten 1787 die Berufung eines Verfassungskonvents nach Philadelphia notwendig. Er schuf nach Entwürfen J. Madisons am 17. 9. 1787 die bis heute gültige Verfassung der USA. Es entstand ein Bundesstaat (Union) mit dreigeteilter Zentralgewalt: Präsident, Kongress und Oberster Gerichtshof.

Glasgow
viertgrößte und wirtschaftlich wichtigste Stadt Schottlands und Distrikt in der Strathclyde Region, beiderseits des Clyde, 197 km2, 675 000 Einwohner; Universität (gegründet 1451) u. a. Hochschulen, Gemäldesammlung und Museum, Sitz eines katholischen Erzbischofs und anglikanischen Bischofs; einer der größten Schiffbauplätze Europas, wichtiges Verkehrszentrum für den See- und Luftverkehr (Großflughafen Prestwick); Flugzeug- und Fahrzeugbau, Elektro-, Metall-, Textil-, Glas-, Papier-, Zucker-, Tabak- und chemische Industrie. - Die frühgotische Kathedrale (1175-1258) war Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung

Edinburgh
Hauptstadt von Schottland sowie Distrikt in der mittelschottischen Lothian Region, inmitten malerischer Felshügel an der Südküste des Firth of Forth, 421 000 Einwohner; Mittelpunkt des politischen, kirchlichen und kulturellen Lebens, Sitz der schottischen presbyterianischen Kirche, katholischer Erzbischofssitz, Universität (gegründet 1583), Technische Universität (Herriot-Watt-Universität) u. a. Hochschulen, Akademie der Wissenschaften, Museen, Kunstgalerien; über 60 vorwiegend presbyterianische Kirchen; seit 1947 internationale Musik- und Theaterfestspiele; seit 1995 ist die Stadt Weltkulturerbe; wichtiger Verlagsort; erst neuerdings infolge der nahen Kohle- und Eisenerzlager stärker industrialisiert; Brauereien, Brennereien; Präzisions- und Elektroindustrie.
Edinburgh entwickelte sich von der um 1000 als Königssitz gegründeten Burg (mit St. Margaret's Chapel) als Burgflecken. Ein zweiter Ort entstand um die 1128 gegründete Holyroodabtei. Die Altstadt wurde nach der Brandschatzung durch die Engländer 1544 im 16. Jahrhundert neu aufgebaut; klassizistische Neustadt.

Smith, Adam
Adam, schottischer Nationalökonom und Philosoph, * 5. 6. 1723 Kirkcaldy, † 17. 7. 1790 Edinburgh; Begründer der klassischen Nationalökonomie; schuf ein einheitliches System der liberalen Wirtschaftslehre, in der er die Ideen seiner Vorgänger (R. Cantillon, D. Hume, W. Petty u. a.) zusammenfasste und erweiterte. Seine Lehre fußte auf den Ideen der Aufklärung, des Naturrechts und der englischen Moralphilosophie. Die Quelle des nationalen Reichtums sei nicht der Geldvorrat (Merkantilismus) oder die landwirtschaftliche Produktion (Physiokratie), sondern die geleistete Arbeit des Volkes. Die Ergiebigkeit der Arbeit werde durch Arbeitsteilung gesteigert, die wiederum von der Größe des Marktes abhänge; eine Voraussetzung der Arbeitsteilung sei das Funktionieren des Marktautomatismus, der über den Marktpreis Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringe. Die treibende Kraft aller wirtschaftlichen Vorgänge sei der Eigennutz, den Smith als wirtschaftliches Ordnungsprinzip ansah. Wirtschaftspolitisch forderte Smith Freihandel und laissez faire, d. h., dass der Staat möglichst wenig eingreife, da der freie Wettbewerb zu einer natürlichen Harmonie des sozialen und wirtschaftlichen Lebens führe. Hauptwerke: „Theorie der ethischen Gefühle” 1759, deutsch 1770; „Der Wohlstand der Nationen”, 2 Bände 1776, deutsch 1794.

Hume, David
David, schottischer Philosoph, Historiker und Nationalökonom, * 7. 5. 1711 Edinburgh, † 25. 8. 1776 Edinburgh; studierte Rechtswissenschaft, lebte 1734-1737 in Frankreich und wurde Sekretär des Generals Saint Cloud; seit 1752 Bibliothekar in Edinburgh; 1767/68 Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt.
Hume ist einer der größten britischen Denker des 18. Jahrhunderts, Vollender des englischen Empirismus, Begründer des erkenntnistheoretischen Positivimus und Vorläufer Kants. Sein Jugend- und Hauptwerk: „Abhandlung über die menschliche Natur” 1739/40 brachte ihm nicht den ersehnten Erfolg; aus seiner Umarbeitung entstand die „Untersuchung über den menschlichen Verstand” 1748. 1752 begann er mit der Arbeit an einer sechsbändigen Geschichte Großbritanniens (1754-1762). Seinen Ruhm verdankt Hume seinen vielen Essays.
In seinem philosophischen Hauptwerk fragte Hume nach dem Ursprung der menschlichen Vorstellungen und teilte alle Perzeptionen in zwei Klassen ein: die Wahrnehmungen (impressions) und die Vorstellungen (ideas). Das menschliche Denken könne nur das verbinden, umstellen, vermehren und vermindern, was durch äußere (Sinneswahrnehmung) und innere (Erinnerung, Einbildungskraft) Erfahrung gegeben ist. Die Perzeptionen würden aufgrund von drei Prinzipien der Assoziation verknüpft: nach Ähnlichkeit, Berührung in Raum und Zeit und nach Ursache-Wirkung. Hume leugnete die Apriorität des Substanz- und Kausalitätsbegriffs und führte beide auf Gewohnheit und Einbildungskraft zurück. Grundlage für die Denkgewissheit sei ein Glaube bzw. ein Naturinstinkt (belief). Hierin wurde Humes Philosophie von der seinen Skeptizismus bekämpfenden Schottischen Schule (T. Reid) fortgeführt.

Defoe, Daniel
Daniel, englischer Schriftsteller, * um 1660 London, † 26. 4. 1731 London; trat für religiöse Toleranz und die parlamentarische Monarchie ein. Aufgrund finanzieller Not gelangte er erst spät zur Dichtung; schrieb mit 59 Jahren den weltberühmten Abenteuerroman Robinson Crusoe 1719, deutsch 1720. Schelmenroman „Moll Flanders” 1722, deutsch 1723; Bericht „Die Pest zu London” 1722, deutsch 1925.

Scott, Sir Walter
Sir Walter, schottischer Dichter, * 15. 8. 1771 Edinburgh, † 21. 9. 1832 Abbotsford; Rechtsanwalt; literarisch zuerst (1796) mit Übersetzungen von G. A. Bürgers „Lenore” und „Wildem Jäger” hervorgetreten; 1802/03 Herausgabe schottischer Balladen; bis 1815 folgten Verserzählungen aus der schottisch-englischen Geschichte. Seine eigentliche Bedeutung erlangte Scott durch die von guter Sachkenntnis getragenen, romantisch gefärbten historischen Romane, besonders der schottischen Vergangenheit („Waverley” 1814, deutsch 1833; „Old Mortality” 1816; „Rob Roy” 1818, deutsch 1857; „Das Herz von Midlothian” 1818, deutsch 1826). In Europa bekannter wurden die Romane zur englischen und kontinentaleuropäischen Geschichte („Ivanhoe” 1820, deutsch 1827; „Kenilworth” 1821, deutsch 1821; „Quentin Durward” 1823, deutsch 1826).

Victoria Königin von Großbritannien und Irland 1837-1901, Kaiserin von Indien 1877-1901
* 24. 5. 1819 Kensington Palace, London  † 22. 1. 1901 Osborne
In der ein Menschenalter umfassenden Regierungszeit Victorias, der längsten eines britischen Monarchen überhaupt, erlebte die englische Gesellschaft als Motor der Industrialisierung auf dem Kontinent einen beispiellosen Wandel: Während Victoria als junge Königin mit der Kutsche reiste und bei Kerzenlicht speiste, kannte die Welt bei ihrem Ableben bereits Automobil und elektrisches Licht. Obwohl die Krone real an politischem Gewicht verlor, hob sie in dieser Zeitspanne durch ihren Lebens- und Regierungsstil das Ansehen der Monarchie in Großbritannien, das während der Herrschaft ihres Großvaters Georgs III. und ihres Onkels Wilhelms IV. gelitten hatte. Im Victorianischen Zeitalter erlebten die Ober- und Mittelschichten Englands eine beispiellose wirtschaftliche Blütezeit, gesellschaftlich jedoch regierte eine strenge Moral, die Kunst wurde in enge Grenzen verwiesen.
Die Tochter des Herzogs Edward von Kent und der Prinzessin Victoria von Sachsen-Coburg-Gotha folgte Wilhelm IV. 18jährig auf den Thron. Zunächst recht unbekümmert regierend, veränderte sich seit ihrer Vermählung mit ihrem Cousin Albert von Sachsen-Coburg-Gotha (1840) ihr Regierungsstil. Von ihm beraten, hielt sie strenge Arbeitszeiten ein, ließ sich gewissenhaft über die politische Lage informieren und suchte, wo sie wegen der parteipolitischen Zersplitterung im Parlament konnte, - eigenwillig und selbstbewußt - als Vermittlerin Einfluß auf die Regierungsbildung zu nehmen, ohne die konstitutionellen Grundlagen der Monarchie zu verlassen. Den liberalen Premierministern Henry John Palmerston und William E. Gladstone stand sie reserviert gegenüber, kooperierte jedoch mit dem konservativen Benjamin Disraeli, der ihre Erhebung zur Kaiserin von Indien veranlaßte. Seit dem Reform Act 1867, der die Parteistruktur in Großbritannien festigte, verlor sie an direktem Einfluß auf die Politik. Nach dem Tode Alberts (1861) zeigte sich die Mutter von neun Kindern nur noch selten in der Öffentlichkeit, ließ sich aber von ihren Ministern informieren. Ihren Sohn und Nachfolger Eduard VII. hielt sie lange von politischer Verantwortung fern.

Westminster
Stadtbezirk von Greater London, im zentralen London, nördlich der Themse, das heutige Regierungsviertel, 189 000 Einwohner; mit Westminster Abbey und Parlamentsgebäude; früher Hauptstadt der Grafschaft Middlesex.

Johannes Paul II., Papst
Papst seit 1978, eigentlich Karol Wojtyla, * 18. 5. 1920 Wadowice bei Krakau; 1964 Erzbischof von Krakau, 1967 Kardinal. Nach 455 Jahren der 1. nichtitalienische Papst, aus einem osteuropäischen Land. Noch stärker als Papst Paul VI. versucht Johannes Paul II. durch zahlreiche Reisen, auch in nicht-christliche Länder, die Lebendigkeit der katholischen Kirche und ihres Oberhaupts vor Augen zu führen. 1981 wurde der Papst auf dem Petersplatz in Rom bei einem Attentat schwer verletzt. Als erster Papst betrat Johannes Paul 1986 ein jüdisches Gotteshaus, die Synagoge von Rom. 1988 und 1991 veröffentlichte er die Sozialenzykliken „Sollicitudo rei socialis” und „Centesimus Annus”, 1995 die Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint” (Daß sie eins seien). Außerdem schrieb er „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten” 1994 und „Geschenk und Geheimnis” 1997.

Stevenson, Robert Louis Balfour
Robert Louis Balfour, englischer Schriftsteller, * 13. 11. 1850 Edinburgh, † 3. 12. 1894 bei Apia (Samoa); führte ein unstetes Wanderleben (seit 1890 auf Samoa), von chronischen Lungenleiden verfolgt. Seine abenteuerlich-romantischen Erzählungen und seine Kinderverse sind durch feines Stilempfinden ausgezeichnet; Roman „Die Schatzinsel” 1883, deutsch 1897; Gedichte; Erzählung „Der seltsameFall des Dr. Jekyll und des Herrn Hyde” 1886, deutsch 1889 u. a.

Knox, John
Reformator Schottlands, * um 1514 (oder 1505) Giffordgate bei Haddington, † 24. 11. 1572 Edinburgh; seit 1546 calvinistischer Prediger, wurde nach dem Regierungsantritt Marias der Katholischen 1554 aus England vertrieben, wirkte in Genf, seit 1559 wieder in Schottland, prägte der schottischen Kirche ihren puritanischen Charakter auf und setzte den Calvinismus als Staatsreligion durch. Hauptverfasser der „Confessio Scotica” 1560.

Normannen
Nordmannen, Wikinger,
mittelalterliche Bezeichnung für Skandinavier, besonders für die seit dem Ende des 8. Jahrhunderts die europäischen Küstenstädte und -gebiete plündernden Seefahrer aus den nordischen Ländern (Dänen, Norweger, Schweden). Seit 800 suchten sie immer häufiger Küsten- und Flussgebiete des Frankenreichs heim, eroberten wiederholt Paris und zerstörten 845 Hamburg. Ihre Flotten drangen bis Mainz und Metz (881), Burgund (Seine- und Saônequellen, 886) und ins Mittelmeer vor. Eine Gruppe unter Rollo ließ sich in der Gegend um Rouen nieder und gründete 911 das Herzogtum Normandie. Andere Scharen setzten sich seit 866 planmäßig in England fest. 1066 eroberten die nordfranzösischen Normannen England. Auf der Insel Man hatten die Normannen 820 ein Königreich gegründet, das sich bis 1266 hielt. Im 9. Jahrhundert wurden weitere Kleinkönigreiche der Normannen errichtet. Seit 860 kamen die Normannen nach Island und ließen sich dort ab 874 nieder, seit etwa 981 nach Grönland, um 1000 nach Amerika. Schwedische Normannen (Waräger) drangen in den Ostseeraum und nach Russland vor (9. Jahrhundert) und erreichten Byzanz. Das Mittelmeer war seit dem Niedergang der römischen und später der byzantinischen Flottenmacht begehrtes Raubgebiet für Normannenzüge. Seit 1016 traten Ritter aus der Normandie in den Dienst süditalienischer Fürsten. Robert Guiscard (1059-1085) eroberte ganz Unteritalien und nahm es als Herzogtum (Apulien und Kalabrien) vom Papst zu Lehen. Roger II. wurde 1130 vom Papst, der die Normannen als Gegengewicht gegen die deutschen Könige und Kaiser brauchte, als König von Sizilien, Kalabrien und Apulien anerkannt. Die staatsbildende Begabung der nur dünnen normannischen Oberschicht hat sowohl in Süditalien als auch in der Normandie gut organisierte Staaten mit hoher Kultur geschaffen, deren Einrichtungen (Zentralismus, Beamtentum) im Mittelalter vorbildlich für andere europäische Staaten wurden.

Hadrian, Publius Aelius
römischer Kaiser 117-138* 24. 1. 76 Italica bei Sevilla† 10. 7. 138 Baiae
Der Feldherr Hadrian, Cousin Kaiser Traians und von diesem kurz vor dessen Tod adoptiert, verzichtete nach seinem Regierungsantritt auf Traians Eroberungspolitik im Osten und konzentrierte sich auf die Sicherung des Reiches. 117 schloß er Frieden mit den Parthern unter Preisgabe Armeniens, Assyriens und Mesopotamiens. 122 ließ er den Limes verstärken und 122-128 den Hadrianswall im nördlichen England errichten. Zur Inspektion von Militär und Verwaltung unternahm er ausgedehnte Reisen in die Provinzen des Reiches („Reisekaiser”.) Mit der Errichtung der Kolonie Aelia Capitolina anstelle des 70 zerstörten Jerusalem und der Errichtung des Jupitertempels auf den Fundamenten des alten Jahweheiligtums provozierte er den von Bar Kochba angeführten jüdischen Aufstand (132-135). Das nach der Rückeroberung Jerusalems von ihm ausgesprochene Zutrittsverbot für Juden in die Stadt galt bis 635. Judäa benannte er um in Syria Philistaia (= Palästina). Im Innern führte Hadrian eine Heeresreform durch, verstärkte den Beamtenapparat aus dem Ritterstand, verbesserte das Finanz- und das Rechtswesen und stattete die Provinzen mit Städten, Straßen und Wasserleitungen aus (u. a. Hadriansstadt, Olympieion und Bibliothek in Athen); eine rege Bautätigkeit entfaltete er auch in und bei Rom: Pantheon, Roma-Venus-Tempel, Engelsburg, Hadriansvilla bei Tivoli. Schwer erkrankt, adoptierte er 136 den Lucius Ceionius Commodus als Lucius Aelius Caesar (seitdem trug der designierte Nachfolger der römischen Kaiser den Titel „Caesar”) und nach dessen Tod 138 Titus Aurelius Antoninus (Antoninus Pius), den er gleichzeitig zu seinem Mitregenten erhob.

Hadrianswall
vom römischen Kaiser Hadrian 122-128 zum Schutz der römischen Provinz Britannia zwischen dem Solwaybusen und der Tynemündung im nördlichen England gebaute Grenzbefestigung; 118 km lang, 320 Türme, 17 Kastelle, 80 Tore, 4,50 m hoch und 3 m breit.

Tacitus, Publius Cornelius
Publius Cornelius, römischer Historiker, * um 55, † um 120; 97 Konsul in Rom, 112/113 (?)
Prokonsul der römischen Provinz Asia. Von wissenschaftlichem Wert ist besonders seine Schrift „De origine et situ Germanorum” (um 98), die älteste überlieferte Quelle über Germanien. Seine Hauptwerke, die „Historiae”, eine Geschichte des flavischen Kaiserhauses, und „Ab excessu divi Augusti” („Annalen”), eine römische Geschichte vom Tod des Augustus (14) bis zum Tod Domitians (96), sind nur in Bruchstücken erhalten.

Kelten
„die Tapferen”, „die Erhabenen” oder „die Hohen”, griechisch Keltoi, lateinisch Celtae, auch Galli, Galatae, ein aus spärlichen antiken schriftlichen Überlieferungen, aus archäologischen Befunden und sprachwissenschaftlichen Forschungsergebnissen erschlossenes, uneinheitliches Volk, das große Teile West-, Mittel-, Südeuropas und Kleinasiens bewohnte. Herodot erwähnt, im Gebiet der Kelten entspringe der Istros (die heutige Donau). Da in Süddeutschland für diese Zeit archäologisch die späte Hallstattkultur und die frühe Latènekultur nachgewiesen sind, werden die Kelten als Träger dieser, vor allem der letztgenannten, später in West- und Mitteleuropa weit verbreiteten Kulturen angesehen. Ergebnisse keltischer Sprachforschungen legen durch Orts- und Gewässernamen den Entstehungsraum einer keltischen Ursprache im Gebiet zwischen Ostfrankreich, West- und Süddeutschland bis Böhmen nahe. Es erscheint kaum sinnvoll, nach Kelten in der Zeit vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. zu suchen. Archäologisch erstaunt der große Unterschied zwischen Hallstatt- und Latènekultur, die meist beide als keltisch gedeutet werden. Doch geben die sog. Fürstensitze der späteren westlichen Hallstattkultur (Heuneburg, Hohenasperg, Mont Lassois u. a.) mit ihren reich ausgestatteten Grabhügeln (z..B. Magdalenenberg, Hochberg, Vix) und mit ihren Beziehungen zu den südlichen Hochkulturen Anzeichen für eine straffe Organisation, die die Kontrolle und Verteilung von Gütern und Arbeitskräften ermöglichte. Dieses ist für die damaligen Verhältnisse am ehesten aufgrund einer Stammesgemeinschaft denkbar. Die radikale Umwälzung in Form der Latènekultur wird vor allem als religiöse Neuerung gedeutet, die sich aufgrund innerer Spannungen sozialer und kultureller Art in Verbindung mit vielen neuen Anregungen aus dem Bereich der antiken Hochkulturen durchsetzte. Neben dem Aufkommen neuer Fürstensitze in der Hunsrück-Eifel-Kultur mögen diese Auseinandersetzungen u. a. zur Zerstörung der Hallstatt-Fürstensitze und auch zu den Wanderungen der später aus der Literatur als keltisch bekannten Stämme geführt haben. Die Wanderungen begannen bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. nach Italien und dem Balkan. In Italien siedelten sich in der Poebene Insubrer, Boier, Cenomanen und Senonen an. Von dort aus besiegten sie mehrfach die Etrusker, 387 v. Chr. in der Schlacht an der Allia auch die Römer und plünderten Rom. Seit dem Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. jedoch dehnten die Römer ihren Machtbereich auch auf die keltisch besiedelten Gebiete Norditaliens aus und gliederten sie als „Gallia cisalpina” Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. ihrem Reich ein. Vom 4. Jahrhundert v. Chr. an wurde der Balkan besiedelt. 278 v. Chr. überquerten die Tektosagen, Trokmer und Tolistobogier (bekannt als Galater) den Hellespont und siedelten sich in Anatolien an. Mit dem Ausgang des 3. Jahrhunderts v. Chr. endete die keltische Expansion. Der Kontakt mit den Kulturen des Mittelmeerraumes führte im keltischen Kerngebiet zu vielen Neuerungen: Herausbildung einer neuen Adelsherrschaft, Anlage befestigter, stadtähnlicher Siedlungen (Oppidum) als Stammeszentren mit eigener Münzprägung und spezialisierten Werkstätten. Über die Kultur der Spätzeit auf linksrheinischem Gebiet ist man durch Cäsars „De bello gallico” relativ gut unterrichtet. Cäsar unterschied verschiedene Stämme der Kelten: Helvetier, Sequaner, Häduer, Biturigen, Boier, Allobroger, Arverner, Senonen, Treverer und Lingonen. Seinem Bericht nach gab es eine dreischichtige Gesellschaftsstruktur: Alle Macht lag bei der Ritterschaft (equites) und den Druiden. Letzteren oblagen alle Entscheidungen und Rechtsstreitigkeiten. Ihr Wissen war geheim und durfte nur mündlich überliefert werden. Die dritte Schicht, das Volk, konnte zwar zu Volksversammlungen zusammenkommen, war aber meist vom Adel abhängig und ihm zum Gehorsam verpflichtet. Nach Lucanus im „Bellum civile” hießen die drei höchsten Götter der Kelten Taranis, Teutates und Esus. Wie weit sich die geschilderten Verhältnisse auch auf die rechtsrheinischen Kelten übertragen lassen, ist unklar. Cäsars Kämpfe in Gallien (58-51 v. Chr.) führten, durch die Uneinigkeit der Kelten untereinander begünstigt, zur völligen Unterwerfung der linksrheinischen Kelten und zur Einverleibung ihres Gebietes in das Römische Reich als „Gallia transalpina”. Gleichzeitig bedrängten die Germanen und Daker die Kelten. Seit 16 v. Chr. begannen die Römer mit der Eroberung der späteren Provinzen Noricum (etwa das heutige Österreich), Pannonien (ungarische Tiefebene) und Raetien (Alpen und Südwestdeutschland). Damit verloren die letzten keltischen Landstriche ihre Unabhängigkeit an die Römer. Keltische Tradition lebte nur in wenigen Rückzugsgebieten fort, z. B. in Schottland, Irland, Wales und in der Bretagne. Die Keltisch sprechenden Stämme Britanniens und Irlands wurden im Altertum nie als Kelten bezeichnet, sondern erst seit den Sprachforschungen des 18. Jahrhunderts.

Bronzezeit
vorgeschichtliche Epoche, durch die Verarbeitung von Bronze für Geräte, Waffen und Schmuck gekennzeichnet. Sie folgt zeitlich auf die Jungsteinzeit; die Übergänge sind fließend, oft geht der Bronzezeit eine Kupfer und Gold verarbeitende Epoche voran (Chalkolithikum, Kupferzeit). Die ältesten Bronzegegenstände finden sich am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. in ägyptischen Gräbern der 1. Dynastie, in Mesopotamien im Bereich der Dynastien von Ur, Lagasch, Umma und Uruk zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. In Indien begann die Bronzezeit nach den Funden von Harappa und Mohenjo-Daro im Industal in der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr., in China im Gebiet des Huang He in der 1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. In Europa umfasst die Bronzezeit hauptsächlich das 2. Jahrtausend v. Chr.: im ägäischen Raum die kretisch-mykenische Kultur, in Italien die Terramare-Kultur, auf Sardinien die Zeit der Nuraghen, in Spanien die El-Argar-Kultur, in Südost- und Osteuropa die Andronowo- und die Holzkammergrabkultur. Entgegen älteren Theorien sprechen neuere Forschungen für unterschiedliche Entstehungszentren der Bronzezeit, die aber in Kontakt zueinander standen. Die führende Aunjetitzer Kultur Mitteldeutschlands und Nordböhmens zeichnete sich durch eine hoch entwickelte Bronzeverarbeitungstechnik und reich ausgestattete Fürstengräber aus. Ein anderes Kulturzentrum mit nicht minder ausgestatteten Fürstengräbern war die im Schnittpunkt mehrerer Handelswege liegende Wessex-Kultur Südenglands, die ihre Bedeutung in erster Linie dem Zinnreichtum der Bretagne und Südwestenglands verdankte. Zu ihren imponierendsten Denkmälern zählen große, sakralen Zwecken dienende Erd-, Holzpfosten- und Steinkreise wie Stonehenge. Einen bescheidenen Eindruck macht dagegen der nordalpine Kreis mit lokalen Kulturgruppen beiderseits der Donau bis westlich des Rhein und südlich des Oberrhein, der Bronzen zunächst nur importierte. Etwas später breitete sich die Kenntnis der Bronzeverarbeitung auch nach Norden aus, es entstand die Nordische Kultur der Bronzezeit Nordwest- und Norddeutschlands und Südskandinaviens, die sich jedoch erst in der mittleren Bronzezeit (etwa 1550 bis 1200 v. Chr.) voll entfaltete und bis zum Ende der jüngeren Bronzezeit (etwa 1200-700 v. Chr.) dauerte. Sie ist durch eine hoch entwickelte Bronzetechnik, eigenen Stil, Tracht und Waffenausstattung gekennzeichnet. Typisch sind u. a. zweiteilige Plattenfibeln, Gürtelscheiben und -dosen sowie große Blasinstrumente (Luren). - Diesem Kulturkreis stand der mitteleuropäische Kreis der Hügelgräber-Kultur gegenüber, der sich von Ostfrankreich bis nach Ungarn erstreckte. Die Variationsbreite keramischer Formen und Verzierungen erlaubt Differenzierungen der Kultur in verschiedene Stilprovinzen. Ein dritter Kulturkreis war die Lausitzer Kultur in Ostdeutschland und Westpolen. Gemeinsam ist der gesamten mittelbronzezeitlichen Kultur ein gleiches Totenritual, dem eine gleichartige Grundstruktur der religiösen Vorstellungen und der Gesellschaftsform entsprochen haben dürfte. Männer und Frauen wurden in ihrer Tracht, mit Waffen und Schmuck, unter Grabhügeln beigesetzt, oft zusätzlich durch einen Baumsarg oder durch Steineinbauten geschützt. Gegen Ende dieser Epoche zeigten sich im 13. Jahrhundert v. Chr. Umformungen im gesamten Kulturgefüge Zentral-, Süd- und Westeuropas und Teilen von Osteuropa. Sie kündigten sich bereits um 1500 v. Chr. in Böhmen, Mähren, Niederösterreich und der südlichen Slowakei im Anlegen von Ringwällen zu Verteidigungszwecken an. Speerspitzen und Schwerter wurden zu wichtigen Elementen der Bewaffnung; dazu kam der zweirädrige, von Pferden gezogene Streitwagen. In Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Slowenien gab es kriegerische Wirren. Am Ende der durch diese noch nicht geklärten Vorgänge ausgelösten Entwicklung stand der Untergang des Hethiterreichs und der kretisch-mykenischen Kultur; Ägypten erlebte den Einfall der „Seevölker”. In Europa kam es zur Ausbildung der Urnenfelderkulturen (Urnenfelderzeit), die sich in dem Brauch, Urnenfriedhöfe anzulegen, in einer gewissen Einheitlichkeit der Grabform, im Beisetzungsritus, in der Beigabenausstattung und in formalen Übereinstimmungen der materiellen Hinterlassenschaften äußerte. Die Bronzegusstechnik erlebte eine neue Blüte, es entstanden neue Waffen, Geräte und Schmuck. Die Urnenfelderkultur behauptete sich in Europa für längere Zeit und ging im 8. Jahrhundert v. Chr. allmählich in die frühe Hallstattkultur (Eisenzeit) über. Durch die Metallgewinnung und -verarbeitung entstanden spezielle Berufe (Bergbau, Bronzehandwerk), die z. T. auf bestimmte Gebiete konzentriert und von der sozialen Oberschicht getragen und bestimmt waren. Für eine arbeitsteilige Organisation der Rohstoffgewinnung und des Bronzegewerbes spricht die Lage von Bergbaubetrieben abseits der normalen Siedlungen, was sich am besten beim Kupferabbau des Ostalpenraumes beobachten lässt, der sich entfernt von den Zentren der süddeutschen Bronzezeitkultur abspielte. Abbaugänge, Sortier- und Schmelzplätze lagen nach Höhen gestaffelt längs der Hänge. Auf künstlichen Terrassen zerschlug und zermahlte man das erzhaltige Gestein und schied es vom tauben Material. Danach wurde ihm mit Hilfe von glimmender Holzkohle Schwefel entzogen und es anschließend in Öfen über Holzkohle geschmolzen. Holzgeräte, Keramik und Textilien wurden dagegen weit gehend für den Eigenbedarf angefertigt. Neben den metallenen waren Steingeräte wie Pfeil- und Speerspitzen noch lange in Gebrauch. Der Ackerbau wurde durch die zunehmende Benutzung des Pflugs und von Rind und Pferd als Zugtier intensiviert; auf schlechteren Böden wurde die Viehzucht gefördert und die Alpwirtschaft ausgebaut. Außer befestigten Höhensiedlungen kennt man aus der frühen Bronzezeit keine größeren Siedlungsgemeinschaften, aus der mittleren und jüngeren Bronzezeit dagegen die vielen, besonders im Alpenvorland und an den schweizerischen Seen aufgedeckten Seeufersiedlungen. Gegenstände des Totenrituals und Kults wurden künstlerisch reich gestaltet: Kleine menschliche Tonfigürchen dienten vermutlich als Erinnerungsbilder Verstorbener. Auf vierrädrigen, bronzenen, ornamentierten oder plastisch geschmückten Wagen wurden vornehme Tote im südosteuropäischen Raum zur Verbrennungsstätte gefahren. Vogel und Sonnenscheibe waren im ganzen bronzezeitlichen Europa als Sinnbilder bestimmter religiöser Vorstellungen bekannt; auf Helmen, Schilden, Panzern und Beinschienen angebracht, sollten sie wohl den Schutzcharakter dieser Waffenstücke unterstreichen. Vogelfiguren und Sonnenräder wurden vielfach auch als Schmuck bzw. Amulett getragen. Die goldbelegte Sonnenscheibe als Denkmal bronzezeitlicher Sonnensymbolik hat ihr bekanntestes Beispiel in dem von einem Pferd gezogenen Sonnenwagen von Trundholm (Seeland). Daneben erscheint als drittes Kultsymbol der Kegel; diese aus dünnem Goldblech getriebenen, reich verzierten hohen Gebilde gehören zu den erstaunlichsten Leistungen der mitteleuropäischen Bronzezeitkunst. Felszeichnungen in Schweden zeigen Darstellungen wohl von Göttern mit Schiffssymbolen und Szenen aus dem täglichen Leben.

Römisches Reich
lateinisch Imperium Romanum,
das im Altertum von dem Stadtstaat Rom aus durch kriegerische Eroberungen und rechtlich verschiedenartig gestalteten Anschluss geschaffene Weltreich, das den gesamten Mittelmeerraum und angrenzende Länder umfasste. Der Zusammenschluss von Latinern und Sabinern war der erste Schritt zur Gründung des römischen Gemeinwesens. Vermutlich im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde Rom ausgebaut; von den Etruskern zur Stadt erhoben und der Sage nach von 7 Königen regiert. Um 510 v. Chr. wurde die etruskische Fremdherrschaft gestürzt und die Republik eingeführt. Ihre Verfassung war ein Zusammenwirken der drei Institutionen Senat, Magistratur und Volksversammlung, die sich zugleich wechselseitig in der Machtausübung beschränkten. An der Spitze des Staats standen zwei jährlich gewählte Konsuln als Oberbefehlshaber und Leiter der Senatsverhandlungen und Volksversammlungen; mindere Befugnisse (Gerichtsmagistrate) hatten die Praetoren. In Notzeiten wurde für 6 Monate ein Diktator mit unbeschränkten Vollmachten gewählt. Als Marktaufseher und Veranstalter der Spiele waren 4 Aedile eingesetzt, ihnen gleichrangig waren die 10 Volkstribunen als Sonderbeamte der Plebs. Eingangsstufe für die Ämter war das Amt des Quaestors, der als Hilfsbeamter für die höheren Magistrate und den Senat arbeitete. Für die Staatsfinanzen waren zwei Zensoren zuständig. Der Senat, der dem König als eine Art Ältestenrat zur Seite gestanden hatte, wurde von anfangs 300 patrizischen Mitgliedern (patres) gebildet, zu denen später als Amtsadel (Nobilität) auch Männer aus dem Volk (Plebejer) hinzutraten. Ihre Teilnahme an den Geschicken des Staats (sie wurden nur zum Kriegsdienst herangezogen) mussten sich die Plebejer in den gleich zu Anfang der Republik einsetzenden „Ständekämpfen” erst erkämpfen: Errichtung des Volkstribunats 494 v. Chr., Rechtskodifikation durch das Zwölftafelgesetz 451 v. Chr., Zulassung zu den Ämtern 367 v. Chr. und zu den Priesterkollegien 300 v. Chr. Nach außen hin gelang schon bald eine Einigung mit den Latinern. Die das 5. Jahrhundert v. Chr. erfüllenden Kämpfe gegen Südetrurien endeten 396 v. Chr. mit der Zerstörung der etruskischen Stadt Veji. Der Einbruch der Gallier in Italien brachte Rom in schwere Gefahr. Nach der Niederlage an der Allia (18. 7. 387 v. Chr.) wurde Rom mit Ausnahme des Capitols besetzt und in Brand gesteckt. Trotz des schweren Rückschlags setzte sich die stetige Ausbreitung fort. Volsker, Herniker und die Städte Praeneste (Palestrina) und Tibur (Tivoli) wurden unterworfen. In einem Vertrag mit den Samniten (354 v. Chr.) und Karthagern (348 v. Chr.) wurde die römische Hegemonie über ganz Latium anerkannt. Da jedoch Capua Rom gegen die samnitische Ausbreitung in Kampanien zu Hilfe rief und Capua dem römischen Staatsgebiet, allerdings mit Sonderrechten, angegliedert wurde, kam es zum 1. Krieg gegen die Samniten, der mit einem Sieg Roms endete (343-341 v. Chr.). Die Ablehnung der Forderung der Latiner nach den gleichen Sonderrechten, die Capua zugestanden wurden, führte zum Latinerkrieg (340-338 v. Chr.). Die Ländereien der meisten Latinerstädte wurden danach römisches Gemeindeland. Im 2. Samnitenkrieg (326-304 v. Chr.) gelang es den Römern, Kampanien zu gewinnen. Im 3. Samnitenkrieg (298-290 v. Chr.) kämpfte Rom erfolgreich gegen die Koalition der Samniten, Lukaner, Sabiner, Umbrer, Etrusker und Kelten. Noch im 1. Drittel des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden die keltischen Senonen in der Emìlia und die griechische Stadt Tarent römisch (285-282 v. Chr. Keltenkrieg; Tarent 272 v. Chr.). Rom herrschte nun über fast ganz Italien ohne Änderung seiner stadtstaatlichen Verfassungsstruktur durch ein differenziertes System von Bündnissen und Abhängigkeitsverhältnissen, von Eigenbesitzungen und Kolonien römischen und latinischen Rechts. Das Übergreifen nach Sizilien führte zu Auseinandersetzungen mit Karthago. Im Verlauf der drei Punischen Kriege (264-241 v. Chr., 218-201 v. Chr., 149-146 v. Chr.) stieg Rom zur bestimmenden Macht im westlichen Mittelmeer auf. Ein Hilfsgesuch von Pergamon, Rhodos und Athen gegen König Philipp V. von Makedonien, der schon 215-205 v. Chr. im Bund mit Karthago gegen die Römer gekämpft hatte (1. Makedonischer Krieg), gab den Anlass zum 2. Makedonischen Krieg (200-197 v. Chr.). In der Schlacht bei Kynoskephalai in Thessalien besiegt, verzichtete Philipp auf die Herrschaft über Griechenland. 196 v. Chr. wurden die griechischen Staaten von Rom für unabhängig erklärt. Im Syrischen Krieg (192-189 v. Chr.) versuchte Antiochos III. von Syrien Griechenland zu erobern, wurde jedoch in den Schlachten bei den Thermopylen 191 v. Chr. und bei Magnesia 189 v. Chr. von den Römern geschlagen und mußte Gebiete in Kleinasien an Roms Verbündete Pergamon und Rhodos abtreten. Nach dem 3. Makedonischen Krieg (171-168 v. Chr.) wurde Makedonien in vier selbständige Gebiete aufgelöst und 148 v. Chr. römische Provinz. In Spanien führten die Aufstände der Keltiberer (154-133 v. Chr.) zu zahlreichen römischen Niederlagen, die erst mit der Eroberung Numantias durch den jüngeren Scipio endeten. 146 v. Chr. wurde Karthago zerstört und sein Hinterland zur Provinz Africa gemacht. Die Erhebung des Achäischen Bundes auf dem griechischen Kriegsschauplatz wurde niedergeschlagen und Griechenland nach der Zerstörung Korinths 146 v. Chr. zur Provinz Achaia gemacht. Der letzte König von Pergamon vermachte 133 v. Chr. testamentarisch sein Reich den Römern. Diese gewannen damit die Provinz Asia in Kleinasien. Rom war Weltmacht geworden. Das Zeitalter der Bürgerkriege bis zur Alleinherrschaft des Augustus brachte das Ende der Republik (133-27 v. Chr.). Die Expansion nach außen hatte die Kapitalwirtschaft begünstigt, das Kleinbauerntum (als Kern des Heeres) war verarmt; die durch die vielen Kriegsgefangenen billig gewordenen Arbeitskräfte (Sklaven) förderten den Großgrundbesitz. Durch den Zustrom zu den Städten erfolgte eine Proletarisierung der Bevölkerung, gleichzeitig griffen Korruption und ein allgemeiner Sittenverfall um sich. Den italischen Bundesgenossen wurde die Gleichstellung verwehrt. Volks- und Senatspartei (Popularen und Optimaten) versuchten zwar die Agrar- und Sozialkrise zu lösen, aber auch über das Volkstribunat oder ein außerordentliches Heereskommando Macht zu erlangen. Außenpolitische und kriegerische Erfolge begünstigten die Macht der Parteiführer im Innern, und die Ausbeutung der Provinzen verschaffte ihnen die finanziellen Mittel. Das Ringen um die Macht beschwor Zustände herauf, die einer permanenten Revolution gleichkamen. Eingeleitet wurden die Bürgerkriege mit den blutigen Kämpfen um die Reform der Gracchen (133-121 v. Chr.). Die Jahre 111-79 v. Chr. waren gekennzeichnet durch die Kämpfe zwischen Marius und Sulla. Marius, Führer der Volkspartei und sieben Mal zum Konsul gewählt, gelang es nach einer Heeresreform, den Jugurthinischen Krieg (111-105 v. Chr.) in Nordafrika zu beenden, 102 v. Chr. die Teutonen bei Aquae Sextiae, 101 v. Chr. die Kimbern bei Vercellae zu schlagen. 91-89 v. Chr. erkämpften sich die italischen Bundesgenossen das römische Bürgerrecht. Sulla, Anhänger der Optimaten, führte 84 v. Chr. ein römisches Heer gegen Rom und stellte in blutigen Kämpfen die Senatsherrschaft wieder her. Marius floh aus Rom. Während Sulla anschließend in Kleinasien gegen Mithridates VI. von Pontos kämpfte, besetzten die Popularen die Stadt erneut und übten unter Führung des Konsuls Cinna eine Gewaltherrschaft aus. Nach seinem Sieg kehrte Sulla nach Rom zurück, ließ sich nach der Niederschlagung der Popularen zum Diktator ernennen, führte eine restaurative Verfassung ein, die die Rechte des Volks fast völlig beseitigte, und hinterließ bei seinem Tod 78 v. Chr. ungelöste soziale und politische Probleme. Den Sklavenaufstand des Spartacus unterdrückte 71 v. Chr. Pompeius; er beseitigte 67 v. Chr. das Seeräuberunwesen im Mittelmeerraum, beendete 63 v. Chr. die Kriege mit Mithridates und gliederte Bithynien, Pontos und Syrien dem Reich ein. Bei seiner Rückkehr nach Rom wurde Pompeius der mächtigste Mann im Staat. Mit Cäsar, der Führer der Volkspartei war, und dem reichen Crassus schloss Pompeius 60 v. Chr. das 1. Triumvirat zur Durchsetzung seiner politischen Forderungen. 59 v. Chr. wurde Cäsar Konsul. Als Prokonsul eroberte er 58-50 v. Chr. ganz Gallien bis zum Rhein. Als der Senat  jedoch aus Furcht, dass Cäsar seine Macht missbrauchen könnte, die Auflösung des Heers befahl und gleichzeitig Pompeius mit diktatorischen Vollmachten betraute, widersetzte sich Cäsar diesem Gebot, überschritt 49 v. Chr. den Rubicon und eroberte Italien. Er konnte sich schließlich gegen Pompeius durchsetzen. 45 v. Chr. wurde Cäsar die Diktatur auf Lebenszeit übertragen. Jedoch wurde er von Anhängern der republikanischen Partei, die unter Brutus und Cassius eine Verschwörung bildeten, schon am 15. 3. 44 v. Chr. (Iden des März) ermordet. Der Bürgerkrieg flammte erneut auf. Der von Cäsar in seinem Testament als Haupterbe eingesetzte und adoptierte Octavian (der spätere Kaiser Augustus) sowie Antonius und Lepidus wurden mit der Neuordnung des Staats beauftragt (2. Triumvirat 43 v. Chr.), 42 v. Chr. besiegte Antonius in der Schlacht bei Philippi die Cäsarmörder. 38 v. Chr. wurde das Triumvirat verlängert, aber seit 32 v. Chr. kam es, nachdem Lepidus schon 36 v. Chr. ausgeschieden war, zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Octavian und Antonius. 31 v. Chr. siegte Octavian in der Schlacht bei Aktium; Antonius beging Selbstmord. Ägypten wurde Provinz. Alleinherrscher über das Römische Reich war nun Octavian, der 28 v. Chr. den Titel eines Ersten Bürgers des Staats (princeps) erhielt. 27 v. Chr. legte er die Amtsgewalt eines Triumvirn mit allen Vollmachten nieder, empfing aber dafür die prokonsularische Befehlsgewalt in den Provinzen und den Titel Augustus. Nach und nach vereinte er die wichtigsten republikanischen Amtsgewalten in seiner Person und begründete damit die Stellung der römischen Kaiser. Er ließ den republikanischen Beamtenapparat bestehen, übernahm jedoch eine übergeordnete Verfügungsgewalt über das gesamte Staatswesen und die Amtsgewalt und Immunität eines Volkstribunen. Der Prinzipat führte schon bald zur Ausstattung der Herrscher mit persönlichen Sonderrechten, und im Dominat wurde der Kaiser Alleinherrscher. Im Augusteischen Zeitalter erreichte der Staat den lang ersehnten Frieden und hohe kulturelle Blüte. Das Römische Reich war nunmehr ein übergreifendes Staatswesen, das die Geschicke des einzelnen und der Völker im Mittelmeerraum sowie der angrenzenden Gebiete, die einbezogen wurden, bestimmte. Augustus' Nachfolger Tiberius (14-37) und das Iulisch-Claudische Kaiserhaus (Caligula 37-41; Claudius 41-54; Nero 54-68) beschränkten sich auf Sicherung und Abrundung des Reichsgebiets durch Grenzkriege und defensive Außenpolitik. Im Innern begann der Aufbau eines kaiserlichen Beamtentums und des Finanzwesens. Die Degenerationserscheinungen im Iulisch-Claudischen Kaiserhaus führten 68/69 zur Erhebung von 3 Kaisern durch das Militär. Mit Vespasian (69-79) gelangte schließlich die Dynastie der Flavier zur Herrschaft (Titus 79-81; Domitian 81-96), die Ruhe und Ordnung wiederherstellte. Unter den Adoptivkaisern (der Erste war Nerva 96-98) erlebte das Römische Reich seine größte Macht und Blüte und erreichte unter Traian (98-117) seinen größten Umfang; Traian war der erste Provinziale auf dem Thron. Hadrian (117-138) verzichtete auf Eroberungen, sicherte die Grenzen und reorganisierte die Staatsverwaltung. Marc Aurel (161-180) wehrte die Markomannen und Daker ab. Eine starke Bautätigkeit belebte Handel und Wandel. Die sich in den Provinzen entfaltende handwerkliche Produktion machte den Betrieben in Italien Konkurrenz. Doch der vermehrte Bedarf an Luxusgütern, die Verschwendungssucht mancher Kaiser und die Heeresausgaben zerrütteten die Finanzen. Die Abwehr der zunehmenden Feinde von außen zwang das Reich zur Anspannung aller Kräfte. Die Regierung des Septimius Severus (193-211) zeigte Züge der Militärmonarchie. Unter ihm konnten verdiente Soldaten in die höchsten Ämter gelangen. Sein Sohn Caracalla (212-217) verlieh 212 allen freien Bewohnern des Reichs das römische Bürgerrecht. Unter seinen Nachfolgern Elagabal (218-222) und Severus Alexander (222-235) verstärkte sich die äußere Bedrohung durch den Aufstieg des persischen Reichs der Sassaniden und den Druck der Alemannen auf die Rheingrenze. Unter den Soldatenkaisern (Beginn mit Maximinus Thrax 235) begann das Römische Reich zu zerfallen. Der Gegensatz zwischen Militär und Senat im Kampf um die Wahl des Kaisers, Geldentwertung, Kostenlast für Heer und Bürokratie, Steuererhöhungen, dazu die Angriffe barbarischer Völker auf die Grenzen brachten eine schwere innere und äußere Krise. Unter Decius (249-251) und Valerianus (253-260) fand die erste allgemeine Christenverfolgung statt. Erst Aurelian (270-275) vermochte das Reich in voller Ausdehnung wieder zusammenzufassen und zu sichern. Diocletian (284-305) führte die absolutistische Stellung des Kaisers ein und versuchte die Nachfolge durch das System der Tetrarchie zu sichern. 303 begann Diocletian die zweite allgemeine Christenverfolgung. Unter seinen Nachfolgern setzte sich Konstantin der Große (324-337) durch. Er erkannte das Christentum als Religion an, kehrte zur monarchischen Erbfolge zurück und machte Konstantinopel zur neuen Hauptstadt. Noch während der Herrschaft seines Sohnes Constantius II. (337-361) wurde Julian Apostata (361-363) vom Heer zum Kaiser ausgerufen. Unter seinen Nachfolgern wurde der Schutz der Grenze (besonders an Rhein und Donau) immer mehr zum Problem. Die Goten, die, von den Hunnen bedrängt, 376 die Donau überschritten, schlugen Kaiser Valens 378 vernichtend bei Adrianopel. Theodosius der Große (392-395), unter dem das Christentum Staatsreligion wurde, gelang es, die Gotengefahr durch einen umfassenden Friedensvertrag zu bannen. Unter seiner Alleinherrschaft (392-395) wurde das Römische Reich letztmals unter einer einheitlichen Regierungsgewalt zusammengefasst. Die Teilung des Reichs unter seine Söhne Honorius und Arcadius brachte die Spaltung in Oströmisches (Byzantinisches) und Weströmisches Reich. Während das Byzantinische Reich erst 1453 durch die Türken unterging, blieb das Weströmische Reich nur noch einige Jahrzehnte bestehen; in ihm gründeten die germanischen Verbündeten eigene Reiche. 410 plünderten die Westgoten Rom. 476 setzte der germanische Heerführer Odoaker den letzten Kaiser Romulus Augustulus ab.

Grampian Mountains (Schottland)
kurz Grampians, der höchste Teil der schottischen Gebirge (im Ben Nevis 1343 m) mit breiten, seenreichen Tälern.

Wilhelm I., König von England
Wilhelm der Eroberer,
König von England 1066-1087, Herzog der Normandie 1035-1087, *um 1027 Falaise, † 9. 9. 1087 Rouen; unehelicher Sohn von Robert I. von der Normandie; landete 1066 in England und besiegte den angelsächsischen König Harald II. in der Schlacht bei Hastings. Als König führte er normannische Lehnsverfassung und Sitte in England ein und stattete seine normannischen Gefolgsleute reichlich mit angelsächsischem Landbesitz aus. Durch Teilung unter seine Söhne löste er die Personalunion zwischen England und der Normandie.

Alexander II., König von Schottland
König von Schottland 1214-1249, * 24. 8. 1198, † 8. 7. 1249; unterstützte die englischen Barone in ihrem Kampf gegen den englischen König Johann I. und fiel wiederholt in England ein. Er erlangte die Unabhängigkeit der schottischen Kirche.

Tay
längster Fluss Schottlands, 193 km, entspringt in den Grampian Mountains, mündet bei Perth in den von einer über 3 km langen Eisenbahnbrücke und einer Straßenbrücke überspannten Firth of Tay in die Nordsee.

Loch Ness
See in Nordschottland, zwischen den Grampian Mountains und den Northwest Highlands; 65 km2,  230 m tief. Seit den 1930er Jahren Berichte über ein Seeungeheur im Loch Ness.
 

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