Geschichte die Zweite
Pikten
frühgeschichtliche Bewohner
Schottlands,
später zusammen mit den Skoten. Ihre Raubzüge gegen
Britannien
nach Abzug der Römer veranlassten die Briten, um 450 die Angeln
und
Sachsen zu Hilfe zu rufen. Die Pikten wurden durch Columban († 615) zum
Christentum bekehrt.
Kolumban
Columba(n),
irischer Mönch, Heiliger, * um 543
Leinster, † 23. 11. 615 Bòbbio (Italien); kam um 590 als
Wanderprediger
nach Burgund; Gründer und Abt des Klosters Luxeuil. Von dort
vertrieben,
gründete er das Kloster Bòbbio.
Scoten / Skoten
frühgeschichtliche irische
Völkerschaft,
setzte im frühen Mittelalter von Irland nach Schottland über
und vermischte sich dort mit den Pikten.
Briten /
Britannier
die keltischen Einwohner des alten
Britannien.
Angelsachsen
im 16. Jahrhundert aufkommende Bezeichnung
für die Völkerschaften, die sich im 5./6. Jahrhundert in
England
festsetzten und bis zur normannischen Eroberung 1066 herrschten
Malcolm III.
schottischer König 1058-1093
* um 1031 † 13. 11. 1093 Alnwick
(Auch Malcolm Canmore = „Dickkopf”). Der
Sohn des von Macbeth ermordeten Duncan I. (König 1034-1040)
begründete
durch seinen Sieg in der Schlacht von Lumphanan über König
Macbeth
(1057) die Dynastie der Canmore und stärkte nach seinem
Regierungsantritt
die Position des schottischen Königshauses. Über seine zweite
Gattin Margaret, die dem englischen Königshaus Wessex entstammte,
wuchs der englische Einfluß in Schottland. Nach mehreren
Einfällen
in das 1066 von den Normannen eroberte England mußte Malcolm 1072
die Lehenshoheit Wilhelms I. (des Eroberers) anerkennen. Malcolm III.
fiel
im Kampf gegen die Anglo-Normannen.
Malcolm IV.,
König von Schottland, Malcolm The Maiden
König von Schottland 1153-1165, *
1141, † 1165; im Frieden mit Heinrich II. von England (1157) wurde die
Grenze zwischen England und Schottland festgelegt.
Duncan
schottischer König keltischen
Ursprungs,
1034-1040, bekannt in Verbindung mit seinem Mörder Macbeth, dem
letzten
Vertreter des rein keltischen Königtums in Schottland.
Macbeth
König
von Schottland 1040-1057
* um 1005 † 15. 8. 1057 bei
Lumphanan,
Aberdeen
Der Titelheld der Tragödie von
William
Shakespeare war nach dem Tod seines Vaters (um 1031) Provinzgouverneur
von Moray. Seine Ansprüche auf den schottischen Thron
begründete
er mit verwandtschaftlichen Beziehungen und tötete 1040 König
Duncan I. (1034-1040) in der Schlacht bei Elgin. Von Duncans Sohn
Malcolm
(III.) (König 1058-1093) bedrängt, mußte er diesem 1054
Südschottland abtreten und wurde von ihm in der Schlacht bei
Lumphanan
getötet.
Alexander
I.,
König von Schottland
König von Schottland 1107-1124, *
um 1080, † April 1124; herrschte über Schottland nördlich des
Clyde einschließlich der Provinz Nord-Lothian, in Feindschaft mit
seinem Bruder David, der die Provinz Cumbrien besaß. Alexander
gründete
Abteien und Bischofssitze und kämpfte für die
Unabhängigkeit
der schottischen Kirche.
David I.,
König
von Schottland
* um 1082, † 1153, König von
Schottland
1124-1153; organisierte sein Reich nach anglonormannischem Vorbild;
wurde
als Förderer des Mönchtums heilig gesprochen.
Bruce
schottisches Adelsgeschlecht, gewann 1306
mit Robert Bruce (* 1274, † 1329) den schottischen Thron, verlor ihn
aber
schon 1371 wieder mit David II. Bruce (* 1324, † 1371) an das Haus
Stuart.
Robert I.
Bruce
schottischer König 1306-1329
* 11. 7. 1274 Turnberry, Ayrshire
† 7. 6. 1329 Cardross, Dumbartonshire
Robert I. Bruce usurpierte den
schottischen
Königsthron und vereinte Schottland im Kampf gegen England. Mit
seinem
Sieg über den englischen König Eduard II. in der Schlacht von
Bannockburn schüttelte er die englische Vorherrschaft 1314
endgültig
ab. 1328 erkannte England die schottische Unabhängigkeit formell
an.
Ergriff als Gegner des englischen Königs und des Papstes die
Macht;
einigte Schottland, erreichte dessen Unabhängigkeit und verhalf
ihm
zu internationaler Anerkennung.
Alexander
III.,
König von Schottland
König von Schottland 1249-1286, *
4. 9. 1241 Roxburgh, † 18./19. 3. 1286; Sohn von König Alexander
II.,
heiratete 1251 Margarete von England. 1263 verhinderte Alexander einen
Landungsversuch des norwegischen Königs Haakon des Alten und
gewann
1266 durch einen Vertrag mit Haakons Nachfolger die Isle of Man sowie
die
westlichen Hebriden.
Newcastle
(Nordengland)
Newcastle upon Tyne,
Hafenstadt in Nordengland, nahe der
Mündung
des Tyne in die Nordsee, Verwaltungssitz der Grafschaft Tyne and Wear,
192 000 Einwohner; Schloss (12. Jahrhundert); gotische Kathedrale (14.
Jahrhundert), Universität (gegründet 1852),
Kohlenexporthafen;
Schiff-, Flugzeug- und Lokomotivbau, chemische Industrie.
Stirling
Hauptstadt der schottischen Central
Region,
38 600 Einwohner; schottisches Königsschloss; Universität
(1967).
Perth
Stadt in der mittelschottischen Tayside
Region, am Firth of Tay, 42 000 Einwohner; Glas- und Textilindustrie;
zeitweise
Hauptstadt Schottlands.
Eduard II.,
König
von England
englisch Edward II.,
König von England 1307-1326, * 25.
4. 1284 Caernarvon Castle, † 21. 9. 1327 Berkeley Castle (ermordet);
Sohn
von Eduard I.; trug als erster englischer Thronfolger den Titel Prince
of Wales (1301), musste 1323 die schottische Unabhängigkeit wieder
anerkennen; wurde vom Hochadel, an dessen Spitze seine Frau Isabella
trat,
1325 gefangen genommen und 1327 ermordet.
Bannockburn
schottische Stadt südöstlich
von Stirling, 6000 Einwohner; durch den Sieg des schottischen
Fußheeres
unter Robert I. Bruce über das englische Reiterheer unter Edward
II.
am 23. 6. 1314 bei Bannockburn festigte Schottland seine
Unabhängigkeit
gegenüber England.
Eduard I.
König
von England 1272-1307
* 17. 6. 1239 Westminster † 7. 7.
1307 Burgh by Sands bei Carlisle
Der älteste Sohn König Heinrichs
III. (1216-1272) gilt als bedeutendster Herrscher aus dem Haus
Plantagenet.
Schon vor seiner Krönung weitgehend selbständig regierend,
behauptete
Eduard im Kampf mit Simon de Montfort das Königtum gegenüber
dem Hochadel (Statut von Marlborough 1267), drängte den
kirchlichen
Einfluß zurück, richtete eine zuverlässige Verwaltung
ein
und erließ als „Justinian Englands” zahlreiche Reformgesetze, vor
allem zur Vereinheitlichung und Fortentwicklung des Rechtswesens. Sein
Versuch, die Sonderstellung der Juden durch das Statutum de Judaismo
(1275)
aufzuheben, das den Juden einerseits Pfandleihgeschäfte untersagte
und andererseits Pacht und Handel erlaubte, scheiterte, so daß er
1290 die Juden aus England auswies. 1276-1284 unterwarf er Wales und
wurde
1292 Oberlehnsherr von Schottland, das er nach einem Aufstand 1298
vorläufig
zurückeroberte.
Verbündet mit deutschen Fürsten,
führte Eduard I. lange Kämpfe gegen die französische
Krone
um seine südfranzösischen Besitzungen. Den Frieden von 1303
besiegelte
die Heirat seines Sohnes und Nachfolgers Eduard II. mit Isabella (*
1292,
† 1358), der Tochter Philipps IV. (des Schönen) von Frankreich
(1308).
Die hieraus erwachsenen englischen Ansprüche auf den franzischen
Thron
waren Anlaß für den Beginn des Hundertjährigen Krieges
nach Erlöschen der französischen Dynastie der Capetinger. Um
der Schwierigkeiten im Lande Herr zu werden, berief Eduard I.1295 das
Model
Parliament („Musterparlament”) ein, das mit der Hinzuziehung der
Gemeinen
(Commons) als Vertreter der Städte und Grafschaften die
Parlamentsgeschichte
einleitete. Für seinen Thronfolger Eduard II. führte er 1301
den Titel Prince of Wales ein.
Hinrichtung
Maria Stuarts
Der englische Vizekanzler Hatton verliest
die Anklage gegen die ehemalige Königin von Schottland, die 1587
in
England hingerichtet wird:
„Die Mitglieder der Kommission teilten
ihr die Kernpunkte ihres Auftrages und die Namen der Mitglieder mit,
damit
sie sehen sollte, daß man nach Recht und Billigkeit gegen sie
verfahren
wolle und nicht mit Hilfe eines gesetzlichen Kniffs oder eines
außerordentlichen
Verfahrens. Sie erhob keinen Einwand gegen die Mitglieder der
Kommission,
verwahrte sich aber mit größter Schärfe gegen das
jüngst
erlassene Gesetz (über die Todesstrafe gegen Personen, die
unrechtmäßige
Ansprüche auf den englischen Thron erheben), die alleinige
Grundlage
des Auftrages der Kommission. Es sei rechtswidrig, vorsätzlich
gegen
sie gerichtet, ohne Beispiel und solcher Art, daß sie sich ihm
niemals
unterwerfen wolle....
Vizekanzler Hatton sagte: „Ihr seid
angeklagt,
das
Verderben unserer Herrin und erhabenen Königin Elisabeth I.
geplant
zu haben. Ihr sagt, Ihr wäret eine Königin, das mag so sein.
Aber wo es sich um ein solches Verbrechen (Verschwörung) handelt,
ist auch die königliche Würde nicht davon befreit, Rede und
Antwort
zu stehen, weder nach Zivilrecht oder Kanonischem Recht noch nach
Völker-
oder Naturrecht. Dürften solche Verbrechen ungestraft begangen
werden,
so würde alles Recht wanken, ja der Boden stürzen. Seid Ihr
unschuldig,
so gefährdet ihr Euren eigenen Ruf, wenn Ihr Euch einem Verfahren
zu entziehen sucht. ””
Saint
Andrews
mittelschottische Stadt an der
Nordseeküste,
in der Region Fife, 11 300 Einwohner; Universität (1411),
Kathedralenruine
(12. Jahrhundert); Seebad.
Rosenkriege
eine Reihe von Bürgerkriegen
(1455-1485)
zwischen den Häusern Lancaster (Rote Rose) und York (Weiße
Rose)
des englischen Königshauses Plantagenet um die Thronfolge. Nachdem
das Haus York Heinrich VI. den Thron streitig gemacht und diesen 1461
(bis
1483) mit Eduard IV. besetzt hatte, gingen die Ansprüche des
Hauses
Lancaster nach Heinrichs VI. Tod und seiner Erben Ermordung auf
Heinrich
Tudor, Earl of Richmond, über (1471). Nach der Schlacht bei
Bosworth
(1485) zwischen dem Bruder Eduards IV., Richard III., und dem Earl of
Richmond
wurde letzterer als Heinrich VII. (Haus Tudor) zum König
ausgerufen.
Die Rosenkriege waren das Ergebnis einer feudalen Anarchie und der
Konzentration
der Macht in den Händen weniger Magnaten, die sich Privatarmeen
hielten.
Der Wunsch nach Ruhe und Ordnung nach den Wirren der Rosenkriege
führte
zu einer Stärkung der königlichen Zentralgewalt.
Jakob IV.,
König
von Schottland
König von Schottland 1488-1513, *
17. 3. 1473, † 9. 9. 1513 Flodden Field (gefallen); Enkel von Jakob
II.,
verheiratet mit Margarete Tudor (* 1489, † 1541), der Schwester
Heinrichs
VIII.; schloss 1512 einen Pakt mit Frankreich gegen England.
Jakob II.,
König
von Schottland
König von Schottland 1437-1460, *
16. 10. 1430 Holyrood, Edinburgh, † 3. 8. 1460 Roxburgh Castle
(gefallen);
Sohn von Jakob I.; suchte das Königtum gegen den Adel zu
stärken
und betrieb im Bündnis mit Frankreich eine expansive Politik
gegenüber
England.
Jakob I.,
König
von Schottland
König von Schottland 1406-1437, *
Juli 1394 Dunfermline, † 20. 2. 1437 Perth (ermordet); versuchte den
Widerstand
des Adels durch Stärkung der königlichen Kompetenzen zu
brechen.
Maria
Stuart
Königin von Schottland1542-1567
* 8. 12. 1542 Linlithgow † 8. 2.
1587 Fotheringhay
Durch den Tod ihres Vaters, König
Jakob V. (1513-1542), wenige Tage nach ihrer Geburt schon schott.
Königin,
wuchs Maria Stuart unter der Regentschaft ihrer französischen
Mutter
Maria von Lothringen (* 1515, † 1560) seit 1548 in Frankreich auf.
Durch
ihre Heirat mit dem französischen Thronfolger Franz (II.) (1558)
war
Maria 1559/60 französische Königin. Mit ihrer Rückkehr
nach
Schottland (1561) nach Franz' Tod rief sie mehrfachen Widerstand
hervor:
Als in Frankreich erzogene Katholikin provozierte sie die Opposition
der
an England orientierten protestantischen Lords; ihre Anerkennung der
presbyterianischen
Kirche konnte nur kurzfristig über diesen Riß
hinwegtäuschen.
Während sie die protestantische Rebellion nach ihrer Heirat mit
ihrem
katholischen Vetter Henry Stuart Damley (1565), der ihren Vertrauten
David
Riccio (* um 1533, † 1566) ermorden ließ, noch unterdrücken
konnte, brach nach der Ermordung Darnleys 1567 durch James Hepburn,
Earl
of Bothwell (* um 1536, † 1578), angeblich im Einverständnis mit
Maria,
und ihrer Heirat mit Bothwell drei Monate später ein Aufstand des
calvinistischen Adels unter James Douglas Morton aus. Maria wurde
abgesetzt
und floh 1568 nach England zu Elisabeth I., von der sie sich
Unterstützung
in monarchischer Solidarität erhoffte. Als Urenkelin Heinrichs
VII.
galt Maria jedoch den englischen Katholiken als rechtmäßige
Anwärterin auf den englischen Thron und wurde von Elisabeth als
Konkurrentin
19 Jahre in Haft gehalten. Unter dem Einfluß William Cecil
Burghleys
wurde sie schließlich wegen einer (angeblichen) Verschwörung
gegen Elisabeth verurteilt und enthauptet. Ihr Sohn aus der Ehe mit
Darnley,
Jakob I. folgte ihr auf den Thron in Schottland und wurde nach dem Tod
Elisabeths 1603 auch König von England (Haus Stuart).
Jakob I.,
König
von England
König von England 1603-1625 und als
Jakob VI. König von Schottland seit 1567, * 19. 6. 1566 Edinburgh,
† 27. 3. 1625 Theobalds Park, Hertfordshire; Sohn der Maria Stuart,
wurde
nach der Abdankung seiner Mutter König von Schottland. Jakob
verband
sich im Interesse seiner Anwartschaft auf den englischen Thron 1586 mit
Königin Elisabeth I. gegen Spanien. Nach dem Tod Elisabeths (1603)
vereinigte er die Kronen von Schottland und England in Personalunion.
Er
verfocht in seinen Schriften „The True Lawe of Free Monarchies” (1598)
und „Basilikon Doron” (1599) die Theorie vom göttlichen
Herrscherrecht
der Könige. Seine Versuche, absolutistisch zu herrschen, setzten
Jakob
in Widerspruch zum Parlament.
Elisabeth
I., Königin von England
Elizabeth I.,
Königin von England 1558-1603, *
7. 9. 1533 Greenwich, † 24. 3. 1603 Richmond; Tochter Heinrichs VIII.
und
der Anna Boleyn, unter der Regierung Marias der Katholischen 1554 im
Tower
gefangen gehalten, wurde sie nach deren Tod 1558 vom Parlament als
Thronfolgerin
anerkannt. Sie machte England zur protestantischen Vormacht Europas
(anglikanische
Staatskirche; Sieg über Spanien; Flotten- und Kolonialpolitik).
Elisabeth
besaß große politische Fähigkeiten und verstand es,
sich
tüchtige Berater, wie Lord Burleigh, zu wählen. Ihre
vermittelnde
Politik suchte mit Erfolg die Ansprüche von Staat, Verwaltung und
Gesellschaft in Einklang zu bringen. Wegen ihrer Ehelosigkeit wurde sie
die „jungfräuliche Königin” genannt; ihre bekanntesten
Günstlinge
waren Lord Leicester und Lord Essex. Die Hinrichtung der schottischen
Königin
Maria Stuart 1587 wurde vom Parlament und nicht von ihr persönlich
verlangt. Elisabeths Ära, in der Shakespeare lebte und die
Renaissancekultur
in England blühte, heißt nach ihr das Elisabethanische
Zeitalter.
24.3.1603
Britische Inseln Stuart-Dynastie: Nach
dem Tod der kinderlosen Königin Elisabeth I. (seit 1558)
fällt
die englische Krone an den schottischen König Jakob VI., der nun
als
Jakob I. die Kronen Schottlands, Englands und Irlands in Personalunion
vereint. Er ist der Sohn der 1587 in England hingerichteten
früheren
schottischen Königin Maria Stuart.
6./7.12.1648
England Das Parlament wird durch Teile
der Armee „gesäubert”: 80 Presbyterianer werden vertrieben,
weitere
60 fliehen. Das Rumpf-Parlament wird von Radikalen beherrscht, die eine
republikanische, demokratische Staatsordnung anstreben („Leveller”).
Die
zweite Phase des Bürgerkriegs beginnt.
17./18.
1. 1648
England Der Sieg Oliver Cromwells bei
Preston über ein schottisches Heer, das König Karl I. aus der
Gefangenschaft befreien sollte, beendet die erste Phase des englischen
Bürgerkrieges (seit 1642) zugunsten der aufständischen
Parlamentarier.
Cromwell
Oliver, englischer Staatsmann, * 25. 4.
1599 Huntingdon, † 3. 9. 1658 London; Vater von Richard Cromwell;
Puritaner,
diente sich nach Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen König und
Parlament im Parlamentsheer empor, mit dem er die königlichen
Kavaliere
1644 bei Marston Moor und 1645 bei Naseby besiegte. 1647
bemächtigte
er sich König Karls I., der 1649 auf Drängen des Parlaments
hingerichtet
wurde. England wurde Republik, und 1653 erhielt Cromwell als „Lord
Protektor”
die oberste Staatsgewalt, die er zugunsten der englischen Seemacht und
Kolonialherrschaft ausübte. England wurde zum mächtigsten
Staat
Europas. Cromwell konnte aber nicht die innere Festigung Englands
erreichen,
sondern war gezwungen, seine weitblickenden Pläne mit Gewalt
durchzusetzen.
So zerfiel sein Verfassungswerk bald nach seinem Tod, und erst im 19.
Jahrhundert
wurde die Geschichtswissenschaft seiner Bedeutung gerecht.
Karl I.
König
von England und Schottland 1625-1649
* 19. 11. 1600 Dunfermline,
Schottland
† 30. 1. 1649 London
Eingenommen von der Idee des
Gottesgnadentums
versuchte Karl, Sohn und Nachfolger Jakob I., mit Hilfe einer
parlamentsunabhängigen
Steuerpolitik und einer zentralistischen „anglo-katholischen”
Kirchenpolitik
eine quasi-absolutistische Herrschaft zu installieren. Nachdem er bei
seinen
ersten drei Parlamenten (1625, 1626 und 1628/29) auf heftige Opposition
stieß, regierte er 1629-1640 ohne Parlament. Er scheiterte
schließlich,
als er mit der Einführung der anglikanischen Bischofskirche im
presbyterianischen
Schottland dort einen Aufstand provozierte (1. Bishop's War 1639), der
ihn zwang, zur Finanzierung des Krieges wieder ein Parlament
einzuberufen,
das sich indes als nicht weniger widerspenstig erwies und ebenfalls
aufgelöst
wurde (Short Parliament).
Der Konflikt mit dem neuen, zur
Finanzierung
des 2. Bishop's War einberufenen Long Parliament (1640-1653, 1659/60)
kulminierte
in der Englischen Revolution (1640-1660). Im offenen (1.)
Bürgerkrieg
(1642-45/46) wurden die Truppen des Königs bei Marston Moor (1644)
und Naseby (1645) von der Parlamentsarmee unter Oliver Cromwell
geschlagen.
Nach der Niederlage gegen die New Model Army Cromwells im 2.
Bürgerkrieg
(1648) wurde Karl - nachdem mehrere Vermittlungsversuche gescheitert
waren
- auf Betreiben Cromwells hingerichtet.
Wilhelm III.
von Oranien König von England
Schottland und Irland 1689-1702,
Statthalter
der Niederlande 1672-1702
* 14. 11. 1650 Den Haag † 19. 3.
1702 London
(In Schottland Wilhelm II., in Irland
Wilhelm I.). Der Sohn Wilhelms II. von Oranien (* 1626, † 1650) und
Marias,
einer Tochter Karls I. von England, widmete sich in den Niederlanden
wie
später in Großbritannien vordringlich der Abwehr der
Hegemonialansprüche
Frankreichs. In den Niederlanden zunächst unter Johan de Witt vom
Amt des Statthalters ferngehalten, erhielt Wilhelm nach dem Einfall
Ludwigs
XIV das Oberkommando im Holländischen Krieg (1672-1678). 1677
heiratete
er seine Cousine Maria, die ältere Tochter König Jakobs II.,
um das Bündnis mit England zu stärken, und schloß 1678
den Frieden von Nijmegen mit Frankreich.
Auf Einladung mehrerer Lords aus beiden
Parteigruppen (Whigs und Tories), die König Karl II. wegen seiner
katholischen Neigungen stürzen wollten, landete Wilhelm 1688 in
England,
vertrieb den letzten Stuartkönig in der Glorious Revolution
(1688/89)
und schlug auch dessen Invasionsversuch in Irland zurück (1690).
1689
wurde er gemeinsam mit Maria gekrönt. Mit der Vereidigung auf die
Declaration of Rights von 1689 stimmte Wilhelm der konstitutionellen
Grundlage
seiner Krone zu, die damit zu einem Staatsorgan geworden war. Im Act of
Settlement (1701), der zugleich die Thronfolge zugunsten des Hauses
Hannover
regelte, wurden die königlichen Befugnisse durch die Trennung vom
königlichen und vom öffentlichen Haushalt beschnitten.
Nachdem
Wilhelm seine Anerkennung als englischer König durch Frankreich im
Frieden von Rijswijk erreicht hatte (1697), bemühte er sich, die
Ansprüche
Ludwigs XIV. auf den vakant werdenden Spanischen Thron zu
beschränken.
Als dieser nach dem Tod Karls II. 1700 ganz Spanien für seinen
Enkel
Philipp V. beanspruchte, schmiedete Wilhelm die Große Allianz,
die
im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713/14) die drohende Hegemonie
Frankreichs
abwehrte. Nachfolgerin Wilhelms in England wurde seine Schwägerin
Anna Stuart, während das Amt des Statthalters in der Niederlanden
vakant blieb.
Maria II.
Königin
von England 1689-1694
* 30. 4. 1662 London † 28. 12. 1694
London
(Auch Maria II. Stuart). Die älteste
Tochter Jakobs II. heiratete 1677 ihren Vetter Wilhelm III. von Oranien
und unterstützte ihn bei der Landung in England, als ihr Vater
wegen
seiner prokatholischen Politik während der Glorious Revolution
(1688/89)
vertrieben wurde. 1689 gemeinsam mit Wilhelm gekrönt, war Maria
gleichberechtigte
Mitregentin, überließ diesem jedoch weitgehend die
Staatsgeschäfte
Die Stuarts
Als Elisabeth I. 1603 kinderlos starb
und die Thronfolge an den schottischen Stuart Jakob VI. fiel, wurde
Schottland
in Personalunion mit England vereinigt. Die so mit Jakob I. beginnende
Stuart-Dynastie geriet durch ihre Hinneigung zum Katholizismus und
ihren
Anspruch auf eine absolute Herrschaft in Gegensatz zum englischen Volk
und zum Parlament. Der Gegensatz verschärfte sich unter Karl I.,
der
1629-1640 ohne Parlament regierte. Als sich die Schotten gegen die
Unterwerfung
unter die englische Staatskirche zur Wehr setzten, war der König,
um das zur Aufstellung eines Heeres nötige Geld zu erhalten,
gezwungen,
1640 das Parlament einzuberufen. Dieses beschnitt die Rechte des
Königs
und stellte sich auf die Seite der streng kalvinistischen Puritaner.
Die
Puritaner schlugen unter Oliver Cromwell die Königlichen in
offener
Feldschlacht. Mit der Hinrichtung des Königs 1649 nahm England die
republikanische Staatsform an. Der eigentliche Herrscher (als
„Landprotektor”)
war Cromwell, der die aufständischen Schotten niederwarf und
Irland
eroberte. Die Navigationsakte 1651 versetzte vor allem dem
holländischen
Seehandel einen vernichtenden Schlag. 1660 wurde das Königtum
wiederhergestellt.
Karl II. vermied den offenen Kampf mit dem Parlament, sein katholischer
Bruder Jakob II. (1685-1688) konnte ihm in der Herrschaft folgen. Da
dieser
die Rückführung Englands und Schottlands zum Katholizismus
erstrebte,
wurde er durch seinen vom Parlament gerufenen Schwiegersohn Wilhelm von
Oranien vertrieben (Glorreiche Revolution);
dieser
wurde als Wilhelm III. englischer König.
Der durch die Ausbeutung der Kolonien
in das Land strömende Reichtum hob England über die anderen
europäischen
Mächte empor. Wilhelm III. bekämpfte die stärkste
Festlandsmacht,
das Frankreich Ludwigs XIV., und sicherte sich dabei die
Unterstützung
der anderen europäischen Mächte. Im Spanischen Erbfolgekrieg
(1701-1714) wurde Frankreich entscheidend geschwächt; der Friede
von
Utrecht 1713 brachte außer Kolonialgewinn in Nordamerika die
Bestätigung
des Besitzes von Gibraltar und damit die englische Präsenz im
Mittelmeer.
Unter Königin Anna (Stuart) wurden England und Schottland 1707
auch
staatsrechtlich vereinigt und führten seitdem den Namen
Großbritannien.
Glorreiche
Revolution
englisch Glorious Revolution,
die englische Revolution von 1688/89,
so genannt wegen ihres unblutigen Verlaufs; Großbritannien.
Jakobiten
englisch Jacobites,
die Anhänger des durch die Glorreiche
Revolution 1688 aus England vertriebenen Stuartkönigs Jakob II.
und
seiner Nachkommen. Besondere Unterstützung fanden die Jakobiten in
Schottland. - Ein sentimentaler Jakobismus lebte bis in den 1.
Weltkrieg
fort, in dem sich die Jakobiten für Prinz Rupprecht von Bayern als
den legitimen schottischen König einsetzten.
Anna Stuart
Königin
von Großbritannien und Irland 1702-1714
* 6. 2. 1665 London † 1. 8. 1714
Kensington
Protestantisch erzogen, unterstützte
Anna Stuart in der Glorious Revolution ihren Schwager Wilhelm III. von
Oranien beim Sturz ihres katholischen Vaters Jakob II. und folgte
Wilhelm
nach dessen Tod auf den englischen Thron. Annas Regierungszeit war
außenpolitisch
von Englands Verwicklung in den Spanischen Erbfolgekrieg,
innenpolitisch
von heftigen Parteikämpfen der Whigs und Tories gekennzeichnet.
Als
ihr größter Erfolg gilt die Herstellung der Realunion von
Schottland
und England (1707). Bis 1710 mußte Anna zur Kriegführung mit
Whig-Ministern, u.a.John Churchill, Herzog von Marlborough, regieren.
Danach
stützte sie sich auf ein Tory-Kabinett, das ihren
protestantisch-hochkirchlichen
Anschauungen besser entsprach. Mit dem Frieden von Utrecht (1713) zur
Beendigung
des Spanischen Erbfolgekrieges erzielte sie Gebietsgewinne in
Nordamerika
(Neufundland, Neuschottland, Hudson Bay) und erhielt von Spanien
Gibraltar
und Menorca. Vermählt mit dem Prinzen Georg von Dänemark (†
1708),
gebar sie 13 Kinder, die alle vor ihr starben. Entsprechend der
Thronfolgeregelung
im Act of Settlement (1701) stellte nach dem Tod Annas als der letzten
Vertreterin des Hauses Stuart das protestantische Königshaus
Hannover
die englischen Könige (bis 1837). Nachfolger: Georg I.
Georg I.
König
von Großbritannien und Irland 1714-1727
28. 3. 1660 Hannover † 11. 6. 1727
Osnabrück
(Als Georg Ludwig seit 1698 Kurfürst von Hannover).
Der Urenkel König Jakobs I. von
England
kam nach der letzten Stuart-Königin Anna entsprechend dem Act of
Settlement
von 1701 auf den englischen Thron und begründete mit seiner
Personalunion
die Dynastie des Hauses Hannover in England. Sprachunkundig und
uninteressiert
an den Verhältnissen in seinem Königreich (in dem an seinen
von
ihm englisch geadelten Mätressen Anstoß genommen wurde),
überließ
er die Regierung weitgehend der Whig-Partei und ihrem Premierminister
Robert
Walpole (seit 1721) und begründete damit die jahrzehntelange
Herrschaft
der Whigs, die sich durch die Verwicklung der Tories in einen 1715
niedergeschlagenen
Aufstand der Jakobiter (Anhänger der Stuarts) noch befestigte.
1705
vereinigte Georg das Fürstentum Lüneburg mit Hannover, das er
1715 noch um die Herzogtümer Bremen und Verden ergänzte.
Nachfolger:
Sohn Georg II.
27. 4. 1746
Letzter Stuart-Aufstand niedergeschlagen:
Karl Eduard, Sproß des katholischen Herrscherhauses Stuart,
unterliegt
englischen Truppen in der neuntägigen Schlacht von Culloden Moor.
Er hatte mit französischer Unterstützung die Usurpation des
britischen
Throns angestrengt.
Inverness
(Stadt)
Hafen und Hauptstadt der schottischen
Highland Region, nahe der Mündung des Kaledonischen Kanals in den
Moray Firth, 39 700 Einwohner; Schaf- und Wollhandel, Textil-, Werft-
und
Holzindustrie; Fremdenverkehr.
Karl II.
König
von England und Schottland 1660-1685
* 29. 5. 1630 London † 6. 2. 1685
London
Als Prinz von Wales kämpfte der Sohn
König Karls I., der seine Kindheit in Frankreich und Holland
verbracht
hatte, seit 1646 im Englischen Bürgerkrieg. Nach der Hinrichtung
seines
Vaters 1649 in Schottland zum König ausgerufen, wurde er 1651 von
Oliver Cromwell bei Worchester geschlagen und ging erneut ins Exil nach
Frankreich. 1660 kehrte er nach England zurück und beendete,
gestützt
auf die Armee George Moncks, die Ära des republikanischen
Commonwealth
(1649-1659).
Mit seinem geschickt taktierenden
Lordkanzler
Edward Hyde Clarendon (bis 1667), betrieb Karl zunächst eine
vorsichtige
Restaurationspolitik, die sich in den von der parlamentarischen
Oligarchie
gesteckten Grenzen hielt. Durch den Clarendon Code (1661-1665) wurde
die
Anglikanische Kirche als Staatsreligion wiederhergestellt. 1670
schloß
Karl ein Geheimbündnis mit Frankreich, das ihm beträchtliche
Subsidienzahlungen gegen die Zusicherung der Rekatholisierung Englands
in Aussicht stellte. Ansätze zu einer Förderung der
Katholiken
durch eine Politik der religiösen Toleranz
(Indulgenzerklärungen
1672) scheiterten jedoch am Widerstand des Parlaments, das von der
katastrophalen
Finanzlage der Krone profitierte und 1673 den Ausschluß der
Katholiken
von öffentlichen Ämtern durchsetzte (Test Act). Karl
versuchte
daher zunehmend, unabhängig von parlamentarischen
Geldbewilligungen
zu regieren und sich eine eigene Hofpartei im Parlament zu halten (aus
der später die Tories hervorgingen, während sich die
Oppositionellen
als Whigs formierten). Im Zuge der Krise nach Aufdeckung einer
angeblichen
Katholikenverschwörung (Popish Plot 1678) mußte er jedoch
mit
der Habeas-Corpus-Akte des Parlaments die erste gesetzliche Garantie
bürgerlicher
Grundrechte zulassen (1679), um den Ausschluß seines Bruders
Jakobs
II. von der Thronfolge zu verhindern. Die letzten Jahre regierte er in
absolutistischer Manier.
Außenpolitisch verfolgte er in
Rivalität
mit Holland die koloniale Expansion (2. und 3. holländ.-engl.
Seekrieg
1664-1667, 1672-1674). - In der Regierungszeit Karls stieg England zu
kultureller
Blüte auf, die er durch sein künstlerisches und
wissenschaftliches
Mäzenatentum (Gründung der Royal Society) förderte.
Nachfolger:
Jakob II.
Kilt
knielanger, mit Schnallen oder Nadel
zusammengehaltener
Faltenwickelrock, in den Clan-Farben kariert; Teil der Nationaltracht
und
Paradeuniform der Schotten; heute modischer Frauenrock
Dudelsack
volkstümliches Blasinstrument, das
nicht unmittelbar mit dem Mund angeblasen, sondern aus einem Ledersack
mit Luft versorgt wird. Der Bläser füllt den Sack mit
Atemluft
und regelt den Luftdruck für die Schalmei durch Druck mit dem Arm.
Sackpfeifen haben ein oder zwei mit Grifflöchern versehene
Melodiepfeifen
und 1-3 Stimmer, Brummer oder Bordunpfeifen, die Grundton und Quinte
ständig
mitklingen lassen. Die Sackpfeife ist asiatischen Ursprungs, heute
schottisches
Nationalinstrument. Eine hochkultivierte Sackpfeife war die Musette.
Wolfgang
Amadeus
Mozart
österreichischer Komponist, * 27.
1. 1756 Salzburg, † 5. 12. 1791 Wien; Sohn von Leopold Mozart; vor L.
van
Beethofen und neben J. Haydn der bedeutendste Komponist der klassischen
Periode; erregte bereits im Alter von 6 Jahren als Klaviervirtuose
gemeinsam
mit seiner Schwester „Nannerl” (Maria Anna Mozart, * 30. 7. 1751
Salzburg,
† 29. 10. 1829 Salzburg) am Wiener Hof und auf einer 3-jährigen
Kunstreise
1763-1766 durch zahlreiche deutsche Städte sowie Paris und London
größtes Aufsehen. In London wirkte Joh. Chr. Bach auf sein
frühes
Schaffen ein, in Paris lernte er Johann Schobert kennen und in Wien J.
Haydn, dem er 1785 seine drei Streichquartette widmete. Bereits mit 9
Jahren
schrieb er seine erste Oper „Apollo und Hyacinthus”. 1769 ernannte der
Erzbischof von Salzburg den Dreizehnjährigen zu seinem
Konzertmeister.
Die noch im selben Jahr unternommene Konzertreise nach Italien, auf der
er starke Eindrücke von der italienischen Oper empfing, wurde zu
einem
einzigen Triumphzug. - Seine folgende Tätigkeit in Salzburg wurde
durch 2 weitere Reisen, nach Italien und über München und
Mannheim
nach Paris, unterbrochen. In dieser Epoche folgte Werk auf Werk: die
für
Mailand geschriebene Oper „Mitridate, Rè di Ponto” 1770, die
Opern
„Lucio Silla” 1772 und „Idomeneo” 1781, 13 Sinfonien, 6
Klavierkonzerte,
13 Klaviersonaten, 13 Violinsonaten, sämtliche Violinkonzerte, 11
Messen, 6 Streichquartette, die Oper „Il rè pastore” 1775, die
Musik
zu „König Thamos” und viele kleinere Werke. 1781 übersiedelte
er, veranlasst durch die würdelose Behandlung in Salzburg, nach
Wien
und wurde zu einem von höfischen Anstellungen unabhängigen
Komponisten.
Hier heiratete er 1782 kurz nach der Wiener Aufführung seiner Oper
„Die Entführung aus dem Serail” Konstanze Weber, die ihm
später
6 Kinder schenkte, von denen jedoch nur 2 Knaben am Leben blieben. -
Die
folgende, von ständigen Geldsorgen überschattete Wiener Zeit
ist die Epoche seiner vollendeten Meisterwerke, unter denen neben den
letzten
Sonaten, Sinfonien, Streichquartetten und Messen das „Requiem”, sein
letztes
(durch F. X. Süßmayr beendetes) Werk, sowie die Opern „Der
Schauspieldirektor”
1786, „FigarosHochzeit” 1786, „Don Giovanni” 1787, „Così fan
tutte”
1790, „Titus” 1791 und „Die Zauberflöte” 1791 hervorragen.
Mozart vermochte, alle wichtigen
musikalischen
Tendenzen seiner Zeit in eine eigenständige Kompositionsweise zu
integrieren.
Sein Werk zeichnet sich durch melodischen Reichtum, eine vor ihm
unerreichte
Ausgeglichenheit von Form und Inhalt, Durchsichtigkeit und feinstes
Klangempfinden
aus. Während früher zuerst die glückliche
Unbeschwertheit
der Mozart'schen Musik gesehen wurde, entdeckte man besonders seit dem
1. Weltkrieg die „dämonischen” Züge in seinem Werk. Heute
versucht
man, Person und Werk im Verhältnis zu ihrer Umwelt zu sehen. Auf
dem
Gebiet der Oper löste er die überkommenen Formen von Opera
seria,
Opera buffa und Wiener Singspiel aus ihrer starken Schematik, indem er
u. a. der Musik durch Erweiterung der Schlussszenen und Betonung der
Ensembleszenen
ein dramatisches Gewicht gab. - Mozarts Werke erscheinen seit 1953 in
einer
neuen Ausgabe, herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum
Salzburg. Das chronologisch-thematische Verzeichnis seiner Werke
veröffentlichte
1862 Ludwig Ritter von Köchel (Köchel-Verzeichnis,
Abkürzung:
KV). Es zählt neben den Opern und dem Requiem auf: 40 Lieder,
Konzertarien,
Duette, Terzette, Kanons u. a., 40 Sinfonien, 31 Serenaden, 43
Instrumentalkonzerte
(darunter 25 Klavierkonzerte), über 30 Streichquartette und
Streichquintette,
zahlreiche Klaviertrios, Violinsonaten, Klaviersonaten,
Sonatensätze
für Orgel, Messen, Vespern, Litaneien, ferner Fantasien,
Variationen,
Tänze und viele kleinere Werke.
Montgolfier
Joseph-Michel
französischer Papierfabrikant,
Erfinder
des Warmluftballons, * 26. 8. 1740 Vidalon-lès-Annonay, † 26. 6.
1810 Balaruc-les-Bains; Bruder von Jacques-Étienne Montgolfier;
baute einen durch erwärmte Luft gehobenen Ballon
(Montgolfière),
der am 21. 11. 1783 bei Paris den ersten bemannten freien Flug
ausführte.
Montgolfier Jacques-Étienne
französischer Papierfabrikant,
* 7. 1. 1745 Vidalon-lès-Annonay, † 2. 8. 1799 Serrières;
Mitarbeiter an den Erfindungen seines Bruders Joseph-Michel Montgolfier
USA
Die Kolonialzeit
Im 17. Jahrhundert wurden mit Hilfe
englischer
Handelskompanien an der Ostküste Nordamerikas 5 Freibriefkolonien
gegründet: 1607 Virginia, 1620 Plymouth, 1630 Massachusetts, 1635
Connecticut, 1636 Rhode Island. Zudem verliehen britische Könige
einflussreichen
Persönlichkeiten sog. Eigentümerkolonien: Maryland, Carolina,
Pennsylvania, Georgia. Die Krone selbst gewann durch Zurücknahme
von
Freibriefen und Eroberung Kolonialbesitz. Südlich der sog.
Neuengland-Kolonien
(Plymouth, Massachusetts, Connecticut, Rhode Island, New Hampshire)
entstanden
die Neuniederlande und Neuschweden. Die Holländer unterwarfen 1655
das schwedische Territorium, doch fiel ihre erweiterte Kolonie in zwei
Seekriegen 1664 und 1688 den Briten zu, die sie New York nannten und
New
Jersey und Delaware davon abtrennten. Diese 13 Kolonien bildeten den
Kern
der späteren USA.
Die Einwanderer kamen
größtenteils
von den Britischen Inseln. Auch Pfälzer, Böhmen und
Schweizer,
Hugenotten, Niederländer und Wallonen, Juden aus Spanien und
Portugal
fanden sich ein. Die Kolonien wurden bald in Machtkämpfe zwischen
England, Frankreich, Spanien und den Niederlanden hineingezogen. Als
die
Franzosen außer Kanada das Mississippital und Louisiana
erschlossen
und sich mit den Spaniern (Florida) verbündeten, drohte den
angelsächsischen
Kolonien die Umklammerung. Im Siebenjährigen Krieg 1756-1763
verlor
Frankreich alle seine nordamerikanischen Festlandsbesitzungen. Kanada
und
Louisiana (bis zum Mississippi) fielen an England; den Rest bekam
Spanien.
Der Unabhängigkeitskampf
Der Sieg hob das Selbstbewusstsein des
Kolonialvolks. Da England die Kriegsfolgelasten finanzpolitisch
auszugleichen
suchte und aus Eigeninteresse das Vordringen der Pioniersiedler in den
Raum zwischen Alleghanies und Mississippi verhinderte, wuchs der
Widerstand.
Die Kolonisten (1775: 2,5 Mio.) forderten Gleichberechtigung; sie
wollten
im Londoner Parlament vertreten sein.
Der Einsatz britischer Streitkräfte
gegen Massachusetts führte zum Unabhängigkeitskrieg
1775-1783.
Die Unabhängigkeitserklärung (4. 7. 1776) des Kongresses (T.
Jefferson, B. Franklin, J. Adams u. a.) zerschnitt das Band zwischen
den
Kolonien und England. Die Briten behaupteten Kanada und besetzten fast
alle Küstenstädte. Doch das Eingreifen Frankreichs und
Spaniens
brachte die Entscheidung zugunsten der Amerikaner. Im Frieden von
Versailles
1783 gewannen die früheren Kolonien ihre volle Unabhängigkeit
und erhielten das Hinterland bis zum Mississippi.
Zunächst bildeten sie aufgrund der
1777 beschlossenen Konföderationsartikel nur einen lockeren
Staatenbund.
Handelsstockungen, Inflation und soziale Unruhen machten 1787 die
Berufung
eines Verfassungskonvents nach Philadelphia notwendig. Er schuf nach
Entwürfen
J. Madisons am 17. 9. 1787 die bis heute gültige Verfassung der
USA.
Es entstand ein Bundesstaat (Union) mit dreigeteilter Zentralgewalt:
Präsident,
Kongress und Oberster Gerichtshof.
Glasgow
viertgrößte und wirtschaftlich
wichtigste Stadt Schottlands und Distrikt in der Strathclyde Region,
beiderseits
des Clyde, 197 km2, 675 000 Einwohner; Universität (gegründet
1451) u. a. Hochschulen, Gemäldesammlung und Museum, Sitz eines
katholischen
Erzbischofs und anglikanischen Bischofs; einer der größten
Schiffbauplätze
Europas, wichtiges Verkehrszentrum für den See- und Luftverkehr
(Großflughafen
Prestwick); Flugzeug- und Fahrzeugbau, Elektro-, Metall-, Textil-,
Glas-,
Papier-, Zucker-, Tabak- und chemische Industrie. - Die
frühgotische
Kathedrale (1175-1258) war Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung
Edinburgh
Hauptstadt von Schottland sowie Distrikt
in der mittelschottischen Lothian Region, inmitten malerischer
Felshügel
an der Südküste des Firth of Forth, 421 000 Einwohner;
Mittelpunkt
des politischen, kirchlichen und kulturellen Lebens, Sitz der
schottischen
presbyterianischen Kirche, katholischer Erzbischofssitz,
Universität
(gegründet 1583), Technische Universität
(Herriot-Watt-Universität)
u. a. Hochschulen, Akademie der Wissenschaften, Museen, Kunstgalerien;
über 60 vorwiegend presbyterianische Kirchen; seit 1947
internationale
Musik- und Theaterfestspiele; seit 1995 ist die Stadt Weltkulturerbe;
wichtiger
Verlagsort; erst neuerdings infolge der nahen Kohle- und Eisenerzlager
stärker industrialisiert; Brauereien, Brennereien;
Präzisions-
und Elektroindustrie.
Edinburgh entwickelte sich von der um
1000 als Königssitz gegründeten Burg (mit St. Margaret's
Chapel)
als Burgflecken. Ein zweiter Ort entstand um die 1128 gegründete
Holyroodabtei.
Die Altstadt wurde nach der Brandschatzung durch die Engländer
1544
im 16. Jahrhundert neu aufgebaut; klassizistische Neustadt.
Smith, Adam
Adam, schottischer Nationalökonom
und Philosoph, * 5. 6. 1723 Kirkcaldy, † 17. 7. 1790 Edinburgh;
Begründer
der klassischen Nationalökonomie; schuf ein einheitliches System
der
liberalen Wirtschaftslehre, in der er die Ideen seiner Vorgänger
(R.
Cantillon, D. Hume, W. Petty u. a.) zusammenfasste und erweiterte.
Seine
Lehre fußte auf den Ideen der Aufklärung, des Naturrechts
und
der englischen Moralphilosophie. Die Quelle des nationalen Reichtums
sei
nicht der Geldvorrat (Merkantilismus) oder die landwirtschaftliche
Produktion
(Physiokratie), sondern die geleistete Arbeit des Volkes. Die
Ergiebigkeit
der Arbeit werde durch Arbeitsteilung gesteigert, die wiederum von der
Größe des Marktes abhänge; eine Voraussetzung der
Arbeitsteilung
sei das Funktionieren des Marktautomatismus, der über den
Marktpreis
Angebot und Nachfrage zum Ausgleich bringe. Die treibende Kraft aller
wirtschaftlichen
Vorgänge sei der Eigennutz, den Smith als wirtschaftliches
Ordnungsprinzip
ansah. Wirtschaftspolitisch forderte Smith Freihandel und laissez
faire,
d. h., dass der Staat möglichst wenig eingreife, da der freie
Wettbewerb
zu einer natürlichen Harmonie des sozialen und wirtschaftlichen
Lebens
führe. Hauptwerke: „Theorie der ethischen Gefühle” 1759,
deutsch
1770; „Der Wohlstand der Nationen”, 2 Bände 1776, deutsch 1794.
Hume, David
David, schottischer Philosoph, Historiker
und Nationalökonom, * 7. 5. 1711 Edinburgh, † 25. 8. 1776
Edinburgh;
studierte Rechtswissenschaft, lebte 1734-1737 in Frankreich und wurde
Sekretär
des Generals Saint Cloud; seit 1752 Bibliothekar in Edinburgh; 1767/68
Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt.
Hume ist einer der größten
britischen Denker des 18. Jahrhunderts, Vollender des englischen
Empirismus,
Begründer des erkenntnistheoretischen Positivimus und
Vorläufer
Kants. Sein Jugend- und Hauptwerk: „Abhandlung über die
menschliche
Natur” 1739/40 brachte ihm nicht den ersehnten Erfolg; aus seiner
Umarbeitung
entstand die „Untersuchung über den menschlichen Verstand” 1748.
1752
begann er mit der Arbeit an einer sechsbändigen Geschichte
Großbritanniens
(1754-1762). Seinen Ruhm verdankt Hume seinen vielen Essays.
In seinem philosophischen Hauptwerk fragte
Hume nach dem Ursprung der menschlichen Vorstellungen und teilte alle
Perzeptionen
in zwei Klassen ein: die Wahrnehmungen (impressions) und die
Vorstellungen
(ideas). Das menschliche Denken könne nur das verbinden,
umstellen,
vermehren und vermindern, was durch äußere
(Sinneswahrnehmung)
und innere (Erinnerung, Einbildungskraft) Erfahrung gegeben ist. Die
Perzeptionen
würden aufgrund von drei Prinzipien der Assoziation
verknüpft:
nach Ähnlichkeit, Berührung in Raum und Zeit und nach
Ursache-Wirkung.
Hume leugnete die Apriorität des Substanz- und
Kausalitätsbegriffs
und führte beide auf Gewohnheit und Einbildungskraft zurück.
Grundlage für die Denkgewissheit sei ein Glaube bzw. ein
Naturinstinkt
(belief). Hierin wurde Humes Philosophie von der seinen Skeptizismus
bekämpfenden
Schottischen Schule (T. Reid) fortgeführt.
Defoe, Daniel
Daniel, englischer Schriftsteller, * um
1660 London, † 26. 4. 1731 London; trat für religiöse
Toleranz
und die parlamentarische Monarchie ein. Aufgrund finanzieller Not
gelangte
er erst spät zur Dichtung; schrieb mit 59 Jahren den
weltberühmten
Abenteuerroman Robinson Crusoe 1719, deutsch 1720. Schelmenroman „Moll
Flanders” 1722, deutsch 1723; Bericht „Die Pest zu London” 1722,
deutsch
1925.
Scott, Sir Walter
Sir Walter, schottischer Dichter, * 15.
8. 1771 Edinburgh, † 21. 9. 1832 Abbotsford; Rechtsanwalt; literarisch
zuerst (1796) mit Übersetzungen von G. A. Bürgers „Lenore”
und
„Wildem Jäger” hervorgetreten; 1802/03 Herausgabe schottischer
Balladen;
bis 1815 folgten Verserzählungen aus der schottisch-englischen
Geschichte.
Seine eigentliche Bedeutung erlangte Scott durch die von guter
Sachkenntnis
getragenen, romantisch gefärbten historischen Romane, besonders
der
schottischen Vergangenheit („Waverley” 1814, deutsch 1833; „Old
Mortality”
1816; „Rob Roy” 1818, deutsch 1857; „Das Herz von Midlothian” 1818,
deutsch
1826). In Europa bekannter wurden die Romane zur englischen und
kontinentaleuropäischen
Geschichte („Ivanhoe” 1820, deutsch 1827; „Kenilworth” 1821, deutsch
1821;
„Quentin Durward” 1823, deutsch 1826).
Victoria
Königin
von Großbritannien und Irland 1837-1901, Kaiserin von Indien
1877-1901
* 24. 5. 1819 Kensington Palace,
London
† 22. 1. 1901 Osborne
In der ein Menschenalter umfassenden
Regierungszeit
Victorias, der längsten eines britischen Monarchen überhaupt,
erlebte die englische Gesellschaft als Motor der Industrialisierung auf
dem Kontinent einen beispiellosen Wandel: Während Victoria als
junge
Königin mit der Kutsche reiste und bei Kerzenlicht speiste, kannte
die Welt bei ihrem Ableben bereits Automobil und elektrisches Licht.
Obwohl
die Krone real an politischem Gewicht verlor, hob sie in dieser
Zeitspanne
durch ihren Lebens- und Regierungsstil das Ansehen der Monarchie in
Großbritannien,
das während der Herrschaft ihres Großvaters Georgs III. und
ihres Onkels Wilhelms IV. gelitten hatte. Im Victorianischen Zeitalter
erlebten die Ober- und Mittelschichten Englands eine beispiellose
wirtschaftliche
Blütezeit, gesellschaftlich jedoch regierte eine strenge Moral,
die
Kunst wurde in enge Grenzen verwiesen.
Die Tochter des Herzogs Edward von Kent
und der Prinzessin Victoria von Sachsen-Coburg-Gotha folgte Wilhelm IV.
18jährig auf den Thron. Zunächst recht unbekümmert
regierend,
veränderte sich seit ihrer Vermählung mit ihrem Cousin Albert
von Sachsen-Coburg-Gotha (1840) ihr Regierungsstil. Von ihm beraten,
hielt
sie strenge Arbeitszeiten ein, ließ sich gewissenhaft über
die
politische Lage informieren und suchte, wo sie wegen der
parteipolitischen
Zersplitterung im Parlament konnte, - eigenwillig und
selbstbewußt
- als Vermittlerin Einfluß auf die Regierungsbildung zu nehmen,
ohne
die konstitutionellen Grundlagen der Monarchie zu verlassen. Den
liberalen
Premierministern Henry John Palmerston und William E. Gladstone stand
sie
reserviert gegenüber, kooperierte jedoch mit dem konservativen
Benjamin
Disraeli, der ihre Erhebung zur Kaiserin von Indien veranlaßte.
Seit
dem Reform Act 1867, der die Parteistruktur in Großbritannien
festigte,
verlor sie an direktem Einfluß auf die Politik. Nach dem Tode
Alberts
(1861) zeigte sich die Mutter von neun Kindern nur noch selten in der
Öffentlichkeit,
ließ sich aber von ihren Ministern informieren. Ihren Sohn und
Nachfolger
Eduard VII. hielt sie lange von politischer Verantwortung fern.
Westminster
Stadtbezirk von Greater London, im
zentralen
London, nördlich der Themse, das heutige Regierungsviertel, 189
000
Einwohner; mit Westminster Abbey und Parlamentsgebäude;
früher
Hauptstadt der Grafschaft Middlesex.
Johannes Paul
II.,
Papst
Papst seit 1978, eigentlich Karol Wojtyla,
* 18. 5. 1920 Wadowice bei Krakau; 1964 Erzbischof von Krakau, 1967
Kardinal.
Nach 455 Jahren der 1. nichtitalienische Papst, aus einem
osteuropäischen
Land. Noch stärker als Papst Paul VI. versucht Johannes Paul II.
durch
zahlreiche Reisen, auch in nicht-christliche Länder, die
Lebendigkeit
der katholischen Kirche und ihres Oberhaupts vor Augen zu führen.
1981 wurde der Papst auf dem Petersplatz in Rom bei einem Attentat
schwer
verletzt. Als erster Papst betrat Johannes Paul 1986 ein jüdisches
Gotteshaus, die Synagoge von Rom. 1988 und 1991 veröffentlichte er
die Sozialenzykliken „Sollicitudo rei socialis” und „Centesimus Annus”,
1995 die Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint” (Daß sie eins
seien).
Außerdem schrieb er „Die Schwelle der Hoffnung
überschreiten”
1994 und „Geschenk und Geheimnis” 1997.
Stevenson,
Robert
Louis Balfour
Robert Louis Balfour, englischer
Schriftsteller,
* 13. 11. 1850 Edinburgh, † 3. 12. 1894 bei Apia (Samoa); führte
ein
unstetes Wanderleben (seit 1890 auf Samoa), von chronischen
Lungenleiden
verfolgt. Seine abenteuerlich-romantischen Erzählungen und seine
Kinderverse
sind durch feines Stilempfinden ausgezeichnet; Roman „Die Schatzinsel”
1883, deutsch 1897; Gedichte; Erzählung „Der seltsameFall des Dr.
Jekyll und des Herrn Hyde” 1886, deutsch 1889 u. a.
Knox, John
Reformator Schottlands, * um 1514 (oder
1505) Giffordgate bei Haddington, † 24. 11. 1572 Edinburgh; seit 1546
calvinistischer
Prediger, wurde nach dem Regierungsantritt Marias der Katholischen 1554
aus England vertrieben, wirkte in Genf, seit 1559 wieder in Schottland,
prägte der schottischen Kirche ihren puritanischen Charakter auf
und
setzte den Calvinismus als Staatsreligion durch. Hauptverfasser der
„Confessio
Scotica” 1560.
Normannen
Nordmannen, Wikinger,
mittelalterliche Bezeichnung für
Skandinavier, besonders für die seit dem Ende des 8. Jahrhunderts
die europäischen Küstenstädte und -gebiete
plündernden
Seefahrer aus den nordischen Ländern (Dänen, Norweger,
Schweden).
Seit 800 suchten sie immer häufiger Küsten- und Flussgebiete
des Frankenreichs heim, eroberten wiederholt Paris und zerstörten
845 Hamburg. Ihre Flotten drangen bis Mainz und Metz (881), Burgund
(Seine-
und Saônequellen, 886) und ins Mittelmeer vor. Eine Gruppe unter
Rollo ließ sich in der Gegend um Rouen nieder und gründete
911
das Herzogtum Normandie. Andere Scharen setzten sich seit 866
planmäßig
in England fest. 1066 eroberten die nordfranzösischen Normannen
England.
Auf der Insel Man hatten die Normannen 820 ein Königreich
gegründet,
das sich bis 1266 hielt. Im 9. Jahrhundert wurden weitere
Kleinkönigreiche
der Normannen errichtet. Seit 860 kamen die Normannen nach Island und
ließen
sich dort ab 874 nieder, seit etwa 981 nach Grönland, um 1000 nach
Amerika. Schwedische Normannen (Waräger) drangen in den Ostseeraum
und nach Russland vor (9. Jahrhundert) und erreichten Byzanz. Das
Mittelmeer
war seit dem Niedergang der römischen und später der
byzantinischen
Flottenmacht begehrtes Raubgebiet für Normannenzüge. Seit
1016
traten Ritter aus der Normandie in den Dienst süditalienischer
Fürsten.
Robert Guiscard (1059-1085) eroberte ganz Unteritalien und nahm es als
Herzogtum (Apulien und Kalabrien) vom Papst zu Lehen. Roger II. wurde
1130
vom Papst, der die Normannen als Gegengewicht gegen die deutschen
Könige
und Kaiser brauchte, als König von Sizilien, Kalabrien und Apulien
anerkannt. Die staatsbildende Begabung der nur dünnen
normannischen
Oberschicht hat sowohl in Süditalien als auch in der Normandie gut
organisierte Staaten mit hoher Kultur geschaffen, deren Einrichtungen
(Zentralismus,
Beamtentum) im Mittelalter vorbildlich für andere europäische
Staaten wurden.
Hadrian,
Publius
Aelius
römischer Kaiser 117-138* 24. 1.
76 Italica bei Sevilla† 10. 7. 138 Baiae
Der Feldherr Hadrian, Cousin Kaiser
Traians
und von diesem kurz vor dessen Tod adoptiert, verzichtete nach seinem
Regierungsantritt
auf Traians Eroberungspolitik im Osten und konzentrierte sich auf die
Sicherung
des Reiches. 117 schloß er Frieden mit den Parthern unter
Preisgabe
Armeniens, Assyriens und Mesopotamiens. 122 ließ er den Limes
verstärken
und 122-128 den Hadrianswall im nördlichen England errichten. Zur
Inspektion von Militär und Verwaltung unternahm er ausgedehnte
Reisen
in die Provinzen des Reiches („Reisekaiser”.) Mit der Errichtung der
Kolonie
Aelia Capitolina anstelle des 70 zerstörten Jerusalem und der
Errichtung
des Jupitertempels auf den Fundamenten des alten Jahweheiligtums
provozierte
er den von Bar Kochba angeführten jüdischen Aufstand
(132-135).
Das nach der Rückeroberung Jerusalems von ihm ausgesprochene
Zutrittsverbot
für Juden in die Stadt galt bis 635. Judäa benannte er um in
Syria Philistaia (= Palästina). Im Innern führte Hadrian eine
Heeresreform durch, verstärkte den Beamtenapparat aus dem
Ritterstand,
verbesserte das Finanz- und das Rechtswesen und stattete die Provinzen
mit Städten, Straßen und Wasserleitungen aus (u. a.
Hadriansstadt,
Olympieion und Bibliothek in Athen); eine rege Bautätigkeit
entfaltete
er auch in und bei Rom: Pantheon, Roma-Venus-Tempel, Engelsburg,
Hadriansvilla
bei Tivoli. Schwer erkrankt, adoptierte er 136 den Lucius Ceionius
Commodus
als Lucius Aelius Caesar (seitdem trug der designierte Nachfolger der
römischen
Kaiser den Titel „Caesar”) und nach dessen Tod 138 Titus Aurelius
Antoninus
(Antoninus Pius), den er gleichzeitig zu seinem Mitregenten erhob.
Hadrianswall
vom römischen Kaiser Hadrian 122-128
zum Schutz der römischen Provinz Britannia zwischen dem
Solwaybusen
und der Tynemündung im nördlichen England gebaute
Grenzbefestigung;
118 km lang, 320 Türme, 17 Kastelle, 80 Tore, 4,50 m hoch und 3 m
breit.
Tacitus,
Publius
Cornelius
Publius Cornelius, römischer
Historiker,
* um 55, † um 120; 97 Konsul in Rom, 112/113 (?)
Prokonsul der römischen Provinz Asia.
Von wissenschaftlichem Wert ist besonders seine Schrift „De origine et
situ Germanorum” (um 98), die älteste überlieferte Quelle
über
Germanien. Seine Hauptwerke, die „Historiae”, eine Geschichte des
flavischen
Kaiserhauses, und „Ab excessu divi Augusti” („Annalen”), eine
römische
Geschichte vom Tod des Augustus (14) bis zum Tod Domitians (96), sind
nur
in Bruchstücken erhalten.
Kelten
„die Tapferen”, „die Erhabenen” oder „die
Hohen”, griechisch Keltoi, lateinisch Celtae, auch Galli, Galatae, ein
aus spärlichen antiken schriftlichen Überlieferungen, aus
archäologischen
Befunden und sprachwissenschaftlichen Forschungsergebnissen
erschlossenes,
uneinheitliches Volk, das große Teile West-, Mittel-,
Südeuropas
und Kleinasiens bewohnte. Herodot erwähnt, im Gebiet der Kelten
entspringe
der Istros (die heutige Donau). Da in Süddeutschland für
diese
Zeit archäologisch die späte Hallstattkultur und die
frühe
Latènekultur nachgewiesen sind, werden die Kelten als
Träger
dieser, vor allem der letztgenannten, später in West- und
Mitteleuropa
weit verbreiteten Kulturen angesehen. Ergebnisse keltischer
Sprachforschungen
legen durch Orts- und Gewässernamen den Entstehungsraum einer
keltischen
Ursprache im Gebiet zwischen Ostfrankreich, West- und
Süddeutschland
bis Böhmen nahe. Es erscheint kaum sinnvoll, nach Kelten in der
Zeit
vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. zu suchen. Archäologisch erstaunt
der
große Unterschied zwischen Hallstatt- und Latènekultur,
die
meist beide als keltisch gedeutet werden. Doch geben die sog.
Fürstensitze
der späteren westlichen Hallstattkultur (Heuneburg, Hohenasperg,
Mont
Lassois u. a.) mit ihren reich ausgestatteten Grabhügeln (z..B.
Magdalenenberg,
Hochberg, Vix) und mit ihren Beziehungen zu den südlichen
Hochkulturen
Anzeichen für eine straffe Organisation, die die Kontrolle und
Verteilung
von Gütern und Arbeitskräften ermöglichte. Dieses ist
für
die damaligen Verhältnisse am ehesten aufgrund einer
Stammesgemeinschaft
denkbar. Die radikale Umwälzung in Form der Latènekultur
wird
vor allem als religiöse Neuerung gedeutet, die sich aufgrund
innerer
Spannungen sozialer und kultureller Art in Verbindung mit vielen neuen
Anregungen aus dem Bereich der antiken Hochkulturen durchsetzte. Neben
dem Aufkommen neuer Fürstensitze in der Hunsrück-Eifel-Kultur
mögen diese Auseinandersetzungen u. a. zur Zerstörung der
Hallstatt-Fürstensitze
und auch zu den Wanderungen der später aus der Literatur als
keltisch
bekannten Stämme geführt haben. Die Wanderungen begannen
bereits
im 5. Jahrhundert v. Chr. nach Italien und dem Balkan. In Italien
siedelten
sich in der Poebene Insubrer, Boier, Cenomanen und Senonen an. Von dort
aus besiegten sie mehrfach die Etrusker, 387 v. Chr. in der Schlacht an
der Allia auch die Römer und plünderten Rom. Seit dem Beginn
des 3. Jahrhunderts v. Chr. jedoch dehnten die Römer ihren
Machtbereich
auch auf die keltisch besiedelten Gebiete Norditaliens aus und
gliederten
sie als „Gallia cisalpina” Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. ihrem
Reich
ein. Vom 4. Jahrhundert v. Chr. an wurde der Balkan besiedelt. 278 v.
Chr.
überquerten die Tektosagen, Trokmer und Tolistobogier (bekannt als
Galater) den Hellespont und siedelten sich in Anatolien an. Mit dem
Ausgang
des 3. Jahrhunderts v. Chr. endete die keltische Expansion. Der Kontakt
mit den Kulturen des Mittelmeerraumes führte im keltischen
Kerngebiet
zu vielen Neuerungen: Herausbildung einer neuen Adelsherrschaft, Anlage
befestigter, stadtähnlicher Siedlungen (Oppidum) als
Stammeszentren
mit eigener Münzprägung und spezialisierten Werkstätten.
Über die Kultur der Spätzeit auf linksrheinischem Gebiet ist
man durch Cäsars „De bello gallico” relativ gut unterrichtet.
Cäsar
unterschied verschiedene Stämme der Kelten: Helvetier, Sequaner,
Häduer,
Biturigen, Boier, Allobroger, Arverner, Senonen, Treverer und Lingonen.
Seinem Bericht nach gab es eine dreischichtige Gesellschaftsstruktur:
Alle
Macht lag bei der Ritterschaft (equites) und den Druiden. Letzteren
oblagen
alle Entscheidungen und Rechtsstreitigkeiten. Ihr Wissen war geheim und
durfte nur mündlich überliefert werden. Die dritte Schicht,
das
Volk, konnte zwar zu Volksversammlungen zusammenkommen, war aber meist
vom Adel abhängig und ihm zum Gehorsam verpflichtet. Nach Lucanus
im „Bellum civile” hießen die drei höchsten Götter der
Kelten Taranis, Teutates und Esus. Wie weit sich die geschilderten
Verhältnisse
auch auf die rechtsrheinischen Kelten übertragen lassen, ist
unklar.
Cäsars Kämpfe in Gallien (58-51 v. Chr.) führten, durch
die Uneinigkeit der Kelten untereinander begünstigt, zur
völligen
Unterwerfung der linksrheinischen Kelten und zur Einverleibung ihres
Gebietes
in das Römische Reich als „Gallia transalpina”. Gleichzeitig
bedrängten
die Germanen und Daker die Kelten. Seit 16 v. Chr. begannen die
Römer
mit der Eroberung der späteren Provinzen Noricum (etwa das heutige
Österreich), Pannonien (ungarische Tiefebene) und Raetien (Alpen
und
Südwestdeutschland). Damit verloren die letzten keltischen
Landstriche
ihre Unabhängigkeit an die Römer. Keltische Tradition lebte
nur
in wenigen Rückzugsgebieten fort, z. B. in Schottland, Irland,
Wales
und in der Bretagne. Die Keltisch sprechenden Stämme Britanniens
und
Irlands wurden im Altertum nie als Kelten bezeichnet, sondern erst seit
den Sprachforschungen des 18. Jahrhunderts.
Bronzezeit
vorgeschichtliche Epoche, durch die
Verarbeitung
von Bronze für Geräte, Waffen und Schmuck gekennzeichnet. Sie
folgt zeitlich auf die Jungsteinzeit; die Übergänge sind
fließend,
oft geht der Bronzezeit eine Kupfer und Gold verarbeitende Epoche voran
(Chalkolithikum, Kupferzeit). Die ältesten Bronzegegenstände
finden sich am Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. in ägyptischen
Gräbern
der 1. Dynastie, in Mesopotamien im Bereich der Dynastien von Ur,
Lagasch,
Umma und Uruk zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. In Indien begann
die
Bronzezeit nach den Funden von Harappa und Mohenjo-Daro im Industal in
der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr., in China im Gebiet des Huang He
in der 1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. In Europa umfasst die
Bronzezeit hauptsächlich das 2. Jahrtausend v. Chr.: im
ägäischen
Raum die kretisch-mykenische Kultur, in Italien die Terramare-Kultur,
auf
Sardinien die Zeit der Nuraghen, in Spanien die El-Argar-Kultur, in
Südost-
und Osteuropa die Andronowo- und die Holzkammergrabkultur. Entgegen
älteren
Theorien sprechen neuere Forschungen für unterschiedliche
Entstehungszentren
der Bronzezeit, die aber in Kontakt zueinander standen. Die
führende
Aunjetitzer Kultur Mitteldeutschlands und Nordböhmens zeichnete
sich
durch eine hoch entwickelte Bronzeverarbeitungstechnik und reich
ausgestattete
Fürstengräber aus. Ein anderes Kulturzentrum mit nicht minder
ausgestatteten Fürstengräbern war die im Schnittpunkt
mehrerer
Handelswege liegende Wessex-Kultur Südenglands, die ihre Bedeutung
in erster Linie dem Zinnreichtum der Bretagne und Südwestenglands
verdankte. Zu ihren imponierendsten Denkmälern zählen
große,
sakralen Zwecken dienende Erd-, Holzpfosten- und Steinkreise wie
Stonehenge.
Einen bescheidenen Eindruck macht dagegen der nordalpine Kreis mit
lokalen
Kulturgruppen beiderseits der Donau bis westlich des Rhein und
südlich
des Oberrhein, der Bronzen zunächst nur importierte. Etwas
später
breitete sich die Kenntnis der Bronzeverarbeitung auch nach Norden aus,
es entstand die Nordische Kultur der Bronzezeit Nordwest- und
Norddeutschlands
und Südskandinaviens, die sich jedoch erst in der mittleren
Bronzezeit
(etwa 1550 bis 1200 v. Chr.) voll entfaltete und bis zum Ende der
jüngeren
Bronzezeit (etwa 1200-700 v. Chr.) dauerte. Sie ist durch eine hoch
entwickelte
Bronzetechnik, eigenen Stil, Tracht und Waffenausstattung
gekennzeichnet.
Typisch sind u. a. zweiteilige Plattenfibeln, Gürtelscheiben und
-dosen
sowie große Blasinstrumente (Luren). - Diesem Kulturkreis stand
der
mitteleuropäische Kreis der Hügelgräber-Kultur
gegenüber,
der sich von Ostfrankreich bis nach Ungarn erstreckte. Die
Variationsbreite
keramischer Formen und Verzierungen erlaubt Differenzierungen der
Kultur
in verschiedene Stilprovinzen. Ein dritter Kulturkreis war die
Lausitzer
Kultur in Ostdeutschland und Westpolen. Gemeinsam ist der gesamten
mittelbronzezeitlichen
Kultur ein gleiches Totenritual, dem eine gleichartige Grundstruktur
der
religiösen Vorstellungen und der Gesellschaftsform entsprochen
haben
dürfte. Männer und Frauen wurden in ihrer Tracht, mit Waffen
und Schmuck, unter Grabhügeln beigesetzt, oft zusätzlich
durch
einen Baumsarg oder durch Steineinbauten geschützt. Gegen Ende
dieser
Epoche zeigten sich im 13. Jahrhundert v. Chr. Umformungen im gesamten
Kulturgefüge Zentral-, Süd- und Westeuropas und Teilen von
Osteuropa.
Sie kündigten sich bereits um 1500 v. Chr. in Böhmen,
Mähren,
Niederösterreich und der südlichen Slowakei im Anlegen von
Ringwällen
zu Verteidigungszwecken an. Speerspitzen und Schwerter wurden zu
wichtigen
Elementen der Bewaffnung; dazu kam der zweirädrige, von Pferden
gezogene
Streitwagen. In Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Slowenien gab
es
kriegerische Wirren. Am Ende der durch diese noch nicht geklärten
Vorgänge ausgelösten Entwicklung stand der Untergang des
Hethiterreichs
und der kretisch-mykenischen Kultur; Ägypten erlebte den Einfall
der
„Seevölker”. In Europa kam es zur Ausbildung der
Urnenfelderkulturen
(Urnenfelderzeit), die sich in dem Brauch, Urnenfriedhöfe
anzulegen,
in einer gewissen Einheitlichkeit der Grabform, im Beisetzungsritus, in
der Beigabenausstattung und in formalen Übereinstimmungen der
materiellen
Hinterlassenschaften äußerte. Die Bronzegusstechnik erlebte
eine neue Blüte, es entstanden neue Waffen, Geräte und
Schmuck.
Die Urnenfelderkultur behauptete sich in Europa für längere
Zeit
und ging im 8. Jahrhundert v. Chr. allmählich in die frühe
Hallstattkultur
(Eisenzeit) über. Durch die Metallgewinnung und -verarbeitung
entstanden
spezielle Berufe (Bergbau, Bronzehandwerk), die z. T. auf bestimmte
Gebiete
konzentriert und von der sozialen Oberschicht getragen und bestimmt
waren.
Für eine arbeitsteilige Organisation der Rohstoffgewinnung und des
Bronzegewerbes spricht die Lage von Bergbaubetrieben abseits der
normalen
Siedlungen, was sich am besten beim Kupferabbau des Ostalpenraumes
beobachten
lässt, der sich entfernt von den Zentren der süddeutschen
Bronzezeitkultur
abspielte. Abbaugänge, Sortier- und Schmelzplätze lagen nach
Höhen gestaffelt längs der Hänge. Auf künstlichen
Terrassen
zerschlug und zermahlte man das erzhaltige Gestein und schied es vom
tauben
Material. Danach wurde ihm mit Hilfe von glimmender Holzkohle Schwefel
entzogen und es anschließend in Öfen über Holzkohle
geschmolzen.
Holzgeräte, Keramik und Textilien wurden dagegen weit gehend
für
den Eigenbedarf angefertigt. Neben den metallenen waren
Steingeräte
wie Pfeil- und Speerspitzen noch lange in Gebrauch. Der Ackerbau wurde
durch die zunehmende Benutzung des Pflugs und von Rind und Pferd als
Zugtier
intensiviert; auf schlechteren Böden wurde die Viehzucht
gefördert
und die Alpwirtschaft ausgebaut. Außer befestigten
Höhensiedlungen
kennt man aus der frühen Bronzezeit keine größeren
Siedlungsgemeinschaften,
aus der mittleren und jüngeren Bronzezeit dagegen die vielen,
besonders
im Alpenvorland und an den schweizerischen Seen aufgedeckten
Seeufersiedlungen.
Gegenstände des Totenrituals und Kults wurden künstlerisch
reich
gestaltet: Kleine menschliche Tonfigürchen dienten vermutlich als
Erinnerungsbilder Verstorbener. Auf vierrädrigen, bronzenen,
ornamentierten
oder plastisch geschmückten Wagen wurden vornehme Tote im
südosteuropäischen
Raum zur Verbrennungsstätte gefahren. Vogel und Sonnenscheibe
waren
im ganzen bronzezeitlichen Europa als Sinnbilder bestimmter
religiöser
Vorstellungen bekannt; auf Helmen, Schilden, Panzern und Beinschienen
angebracht,
sollten sie wohl den Schutzcharakter dieser Waffenstücke
unterstreichen.
Vogelfiguren und Sonnenräder wurden vielfach auch als Schmuck bzw.
Amulett getragen. Die goldbelegte Sonnenscheibe als Denkmal
bronzezeitlicher
Sonnensymbolik hat ihr bekanntestes Beispiel in dem von einem Pferd
gezogenen
Sonnenwagen von Trundholm (Seeland). Daneben erscheint als drittes
Kultsymbol
der Kegel; diese aus dünnem Goldblech getriebenen, reich
verzierten
hohen Gebilde gehören zu den erstaunlichsten Leistungen der
mitteleuropäischen
Bronzezeitkunst. Felszeichnungen in Schweden zeigen Darstellungen wohl
von Göttern mit Schiffssymbolen und Szenen aus dem täglichen
Leben.
Römisches
Reich
lateinisch Imperium Romanum,
das im Altertum von dem Stadtstaat Rom
aus durch kriegerische Eroberungen und rechtlich verschiedenartig
gestalteten
Anschluss geschaffene Weltreich, das den gesamten Mittelmeerraum und
angrenzende
Länder umfasste. Der Zusammenschluss von Latinern und Sabinern war
der erste Schritt zur Gründung des römischen Gemeinwesens.
Vermutlich
im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde Rom ausgebaut; von den Etruskern zur
Stadt
erhoben und der Sage nach von 7 Königen regiert. Um 510 v. Chr.
wurde
die etruskische Fremdherrschaft gestürzt und die Republik
eingeführt.
Ihre Verfassung war ein Zusammenwirken der drei Institutionen Senat,
Magistratur
und Volksversammlung, die sich zugleich wechselseitig in der
Machtausübung
beschränkten. An der Spitze des Staats standen zwei jährlich
gewählte Konsuln als Oberbefehlshaber und Leiter der
Senatsverhandlungen
und Volksversammlungen; mindere Befugnisse (Gerichtsmagistrate) hatten
die Praetoren. In Notzeiten wurde für 6 Monate ein Diktator mit
unbeschränkten
Vollmachten gewählt. Als Marktaufseher und Veranstalter der Spiele
waren 4 Aedile eingesetzt, ihnen gleichrangig waren die 10
Volkstribunen
als Sonderbeamte der Plebs. Eingangsstufe für die Ämter war
das
Amt des Quaestors, der als Hilfsbeamter für die höheren
Magistrate
und den Senat arbeitete. Für die Staatsfinanzen waren zwei
Zensoren
zuständig. Der Senat, der dem König als eine Art
Ältestenrat
zur Seite gestanden hatte, wurde von anfangs 300 patrizischen
Mitgliedern
(patres) gebildet, zu denen später als Amtsadel (Nobilität)
auch
Männer aus dem Volk (Plebejer) hinzutraten. Ihre Teilnahme an den
Geschicken des Staats (sie wurden nur zum Kriegsdienst herangezogen)
mussten
sich die Plebejer in den gleich zu Anfang der Republik einsetzenden
„Ständekämpfen”
erst erkämpfen: Errichtung des Volkstribunats 494 v. Chr.,
Rechtskodifikation
durch das Zwölftafelgesetz 451 v. Chr., Zulassung zu den
Ämtern
367 v. Chr. und zu den Priesterkollegien 300 v. Chr. Nach außen
hin
gelang schon bald eine Einigung mit den Latinern. Die das 5.
Jahrhundert
v. Chr. erfüllenden Kämpfe gegen Südetrurien endeten 396
v. Chr. mit der Zerstörung der etruskischen Stadt Veji. Der
Einbruch
der Gallier in Italien brachte Rom in schwere Gefahr. Nach der
Niederlage
an der Allia (18. 7. 387 v. Chr.) wurde Rom mit Ausnahme des Capitols
besetzt
und in Brand gesteckt. Trotz des schweren Rückschlags setzte sich
die stetige Ausbreitung fort. Volsker, Herniker und die Städte
Praeneste
(Palestrina) und Tibur (Tivoli) wurden unterworfen. In einem Vertrag
mit
den Samniten (354 v. Chr.) und Karthagern (348 v. Chr.) wurde die
römische
Hegemonie über ganz Latium anerkannt. Da jedoch Capua Rom gegen
die
samnitische Ausbreitung in Kampanien zu Hilfe rief und Capua dem
römischen
Staatsgebiet, allerdings mit Sonderrechten, angegliedert wurde, kam es
zum 1. Krieg gegen die Samniten, der mit einem Sieg Roms endete
(343-341
v. Chr.). Die Ablehnung der Forderung der Latiner nach den gleichen
Sonderrechten,
die Capua zugestanden wurden, führte zum Latinerkrieg (340-338 v.
Chr.). Die Ländereien der meisten Latinerstädte wurden danach
römisches Gemeindeland. Im 2. Samnitenkrieg (326-304 v. Chr.)
gelang
es den Römern, Kampanien zu gewinnen. Im 3. Samnitenkrieg (298-290
v. Chr.) kämpfte Rom erfolgreich gegen die Koalition der Samniten,
Lukaner, Sabiner, Umbrer, Etrusker und Kelten. Noch im 1. Drittel des
3.
Jahrhunderts v. Chr. wurden die keltischen Senonen in der Emìlia
und die griechische Stadt Tarent römisch (285-282 v. Chr.
Keltenkrieg;
Tarent 272 v. Chr.). Rom herrschte nun über fast ganz Italien ohne
Änderung seiner stadtstaatlichen Verfassungsstruktur durch ein
differenziertes
System von Bündnissen und Abhängigkeitsverhältnissen,
von
Eigenbesitzungen und Kolonien römischen und latinischen Rechts.
Das
Übergreifen nach Sizilien führte zu Auseinandersetzungen mit
Karthago. Im Verlauf der drei Punischen Kriege (264-241 v. Chr.,
218-201
v. Chr., 149-146 v. Chr.) stieg Rom zur bestimmenden Macht im
westlichen
Mittelmeer auf. Ein Hilfsgesuch von Pergamon, Rhodos und Athen gegen
König
Philipp V. von Makedonien, der schon 215-205 v. Chr. im Bund mit
Karthago
gegen die Römer gekämpft hatte (1. Makedonischer Krieg), gab
den Anlass zum 2. Makedonischen Krieg (200-197 v. Chr.). In der
Schlacht
bei Kynoskephalai in Thessalien besiegt, verzichtete Philipp auf die
Herrschaft
über Griechenland. 196 v. Chr. wurden die griechischen Staaten von
Rom für unabhängig erklärt. Im Syrischen Krieg (192-189
v. Chr.) versuchte Antiochos III. von Syrien Griechenland zu erobern,
wurde
jedoch in den Schlachten bei den Thermopylen 191 v. Chr. und bei
Magnesia
189 v. Chr. von den Römern geschlagen und mußte Gebiete in
Kleinasien
an Roms Verbündete Pergamon und Rhodos abtreten. Nach dem 3.
Makedonischen
Krieg (171-168 v. Chr.) wurde Makedonien in vier selbständige
Gebiete
aufgelöst und 148 v. Chr. römische Provinz. In Spanien
führten
die Aufstände der Keltiberer (154-133 v. Chr.) zu zahlreichen
römischen
Niederlagen, die erst mit der Eroberung Numantias durch den
jüngeren
Scipio endeten. 146 v. Chr. wurde Karthago zerstört und sein
Hinterland
zur Provinz Africa gemacht. Die Erhebung des Achäischen Bundes auf
dem griechischen Kriegsschauplatz wurde niedergeschlagen und
Griechenland
nach der Zerstörung Korinths 146 v. Chr. zur Provinz Achaia
gemacht.
Der letzte König von Pergamon vermachte 133 v. Chr.
testamentarisch
sein Reich den Römern. Diese gewannen damit die Provinz Asia in
Kleinasien.
Rom war Weltmacht geworden. Das Zeitalter der Bürgerkriege bis zur
Alleinherrschaft des Augustus brachte das Ende der Republik (133-27 v.
Chr.). Die Expansion nach außen hatte die Kapitalwirtschaft
begünstigt,
das Kleinbauerntum (als Kern des Heeres) war verarmt; die durch die
vielen
Kriegsgefangenen billig gewordenen Arbeitskräfte (Sklaven)
förderten
den Großgrundbesitz. Durch den Zustrom zu den Städten
erfolgte
eine Proletarisierung der Bevölkerung, gleichzeitig griffen
Korruption
und ein allgemeiner Sittenverfall um sich. Den italischen
Bundesgenossen
wurde die Gleichstellung verwehrt. Volks- und Senatspartei (Popularen
und
Optimaten) versuchten zwar die Agrar- und Sozialkrise zu lösen,
aber
auch über das Volkstribunat oder ein außerordentliches
Heereskommando
Macht zu erlangen. Außenpolitische und kriegerische Erfolge
begünstigten
die Macht der Parteiführer im Innern, und die Ausbeutung der
Provinzen
verschaffte ihnen die finanziellen Mittel. Das Ringen um die Macht
beschwor
Zustände herauf, die einer permanenten Revolution gleichkamen.
Eingeleitet
wurden die Bürgerkriege mit den blutigen Kämpfen um die
Reform
der Gracchen (133-121 v. Chr.). Die Jahre 111-79 v. Chr. waren
gekennzeichnet
durch die Kämpfe zwischen Marius und Sulla. Marius, Führer
der
Volkspartei und sieben Mal zum Konsul gewählt, gelang es nach
einer
Heeresreform, den Jugurthinischen Krieg (111-105 v. Chr.) in Nordafrika
zu beenden, 102 v. Chr. die Teutonen bei Aquae Sextiae, 101 v. Chr. die
Kimbern bei Vercellae zu schlagen. 91-89 v. Chr. erkämpften sich
die
italischen Bundesgenossen das römische Bürgerrecht. Sulla,
Anhänger
der Optimaten, führte 84 v. Chr. ein römisches Heer gegen Rom
und stellte in blutigen Kämpfen die Senatsherrschaft wieder her.
Marius
floh aus Rom. Während Sulla anschließend in Kleinasien gegen
Mithridates VI. von Pontos kämpfte, besetzten die Popularen die
Stadt
erneut und übten unter Führung des Konsuls Cinna eine
Gewaltherrschaft
aus. Nach seinem Sieg kehrte Sulla nach Rom zurück, ließ
sich
nach der Niederschlagung der Popularen zum Diktator ernennen,
führte
eine restaurative Verfassung ein, die die Rechte des Volks fast
völlig
beseitigte, und hinterließ bei seinem Tod 78 v. Chr.
ungelöste
soziale und politische Probleme. Den Sklavenaufstand des Spartacus
unterdrückte
71 v. Chr. Pompeius; er beseitigte 67 v. Chr. das Seeräuberunwesen
im Mittelmeerraum, beendete 63 v. Chr. die Kriege mit Mithridates und
gliederte
Bithynien, Pontos und Syrien dem Reich ein. Bei seiner Rückkehr
nach
Rom wurde Pompeius der mächtigste Mann im Staat. Mit Cäsar,
der
Führer der Volkspartei war, und dem reichen Crassus schloss
Pompeius
60 v. Chr. das 1. Triumvirat zur Durchsetzung seiner politischen Forderungen.
59 v. Chr. wurde Cäsar Konsul. Als Prokonsul eroberte er 58-50 v.
Chr. ganz Gallien bis zum Rhein. Als der Senat jedoch aus Furcht,
dass Cäsar seine Macht missbrauchen könnte, die
Auflösung
des Heers befahl und gleichzeitig Pompeius mit diktatorischen
Vollmachten
betraute, widersetzte sich Cäsar diesem Gebot, überschritt 49
v. Chr. den Rubicon und eroberte Italien. Er konnte sich
schließlich
gegen Pompeius durchsetzen. 45 v. Chr. wurde Cäsar die Diktatur
auf
Lebenszeit übertragen. Jedoch wurde er von Anhängern der
republikanischen
Partei, die unter Brutus und Cassius eine Verschwörung bildeten,
schon
am 15. 3. 44 v. Chr. (Iden des März) ermordet. Der
Bürgerkrieg
flammte erneut auf. Der von Cäsar in seinem Testament als
Haupterbe
eingesetzte und adoptierte Octavian (der spätere Kaiser Augustus)
sowie Antonius und Lepidus wurden mit der Neuordnung des Staats
beauftragt
(2. Triumvirat 43 v. Chr.), 42 v. Chr. besiegte Antonius in der
Schlacht
bei Philippi die Cäsarmörder. 38 v. Chr. wurde das Triumvirat
verlängert, aber seit 32 v. Chr. kam es, nachdem Lepidus schon 36
v. Chr. ausgeschieden war, zur entscheidenden Auseinandersetzung
zwischen
Octavian und Antonius. 31 v. Chr. siegte Octavian in der Schlacht bei
Aktium;
Antonius beging Selbstmord. Ägypten wurde Provinz. Alleinherrscher
über das Römische Reich war nun Octavian, der 28 v. Chr. den
Titel eines Ersten Bürgers des Staats (princeps) erhielt. 27 v.
Chr.
legte er die Amtsgewalt eines Triumvirn mit allen Vollmachten nieder,
empfing
aber dafür die prokonsularische Befehlsgewalt in den Provinzen und
den Titel Augustus. Nach und nach vereinte er die wichtigsten
republikanischen
Amtsgewalten in seiner Person und begründete damit die Stellung
der
römischen Kaiser. Er ließ den republikanischen
Beamtenapparat
bestehen, übernahm jedoch eine übergeordnete
Verfügungsgewalt
über das gesamte Staatswesen und die Amtsgewalt und Immunität
eines Volkstribunen. Der Prinzipat führte schon bald zur
Ausstattung
der Herrscher mit persönlichen Sonderrechten, und im Dominat wurde
der Kaiser Alleinherrscher. Im Augusteischen Zeitalter erreichte der
Staat
den lang ersehnten Frieden und hohe kulturelle Blüte. Das
Römische
Reich war nunmehr ein übergreifendes Staatswesen, das die
Geschicke
des einzelnen und der Völker im Mittelmeerraum sowie der
angrenzenden
Gebiete, die einbezogen wurden, bestimmte. Augustus' Nachfolger
Tiberius
(14-37) und das Iulisch-Claudische Kaiserhaus (Caligula 37-41; Claudius
41-54; Nero 54-68) beschränkten sich auf Sicherung und Abrundung
des
Reichsgebiets durch Grenzkriege und defensive Außenpolitik. Im
Innern
begann der Aufbau eines kaiserlichen Beamtentums und des Finanzwesens.
Die Degenerationserscheinungen im Iulisch-Claudischen Kaiserhaus
führten
68/69 zur Erhebung von 3 Kaisern durch das Militär. Mit Vespasian
(69-79) gelangte schließlich die Dynastie der Flavier zur
Herrschaft
(Titus 79-81; Domitian 81-96), die Ruhe und Ordnung wiederherstellte.
Unter
den Adoptivkaisern (der Erste war Nerva 96-98) erlebte das
Römische
Reich seine größte Macht und Blüte und erreichte unter
Traian (98-117) seinen größten Umfang; Traian war der erste
Provinziale auf dem Thron. Hadrian (117-138) verzichtete auf
Eroberungen,
sicherte die Grenzen und reorganisierte die Staatsverwaltung. Marc
Aurel
(161-180) wehrte die Markomannen und Daker ab. Eine starke
Bautätigkeit
belebte Handel und Wandel. Die sich in den Provinzen entfaltende
handwerkliche
Produktion machte den Betrieben in Italien Konkurrenz. Doch der
vermehrte
Bedarf an Luxusgütern, die Verschwendungssucht mancher Kaiser und
die Heeresausgaben zerrütteten die Finanzen. Die Abwehr der
zunehmenden
Feinde von außen zwang das Reich zur Anspannung aller
Kräfte.
Die Regierung des Septimius Severus (193-211) zeigte Züge der
Militärmonarchie.
Unter ihm konnten verdiente Soldaten in die höchsten Ämter
gelangen.
Sein Sohn Caracalla (212-217) verlieh 212 allen freien Bewohnern des
Reichs
das römische Bürgerrecht. Unter seinen Nachfolgern Elagabal
(218-222)
und Severus Alexander (222-235) verstärkte sich die
äußere
Bedrohung durch den Aufstieg des persischen Reichs der Sassaniden und
den
Druck der Alemannen auf die Rheingrenze. Unter den Soldatenkaisern
(Beginn
mit Maximinus Thrax 235) begann das Römische Reich zu zerfallen.
Der
Gegensatz zwischen Militär und Senat im Kampf um die Wahl des
Kaisers,
Geldentwertung, Kostenlast für Heer und Bürokratie,
Steuererhöhungen,
dazu die Angriffe barbarischer Völker auf die Grenzen brachten
eine
schwere innere und äußere Krise. Unter Decius (249-251) und
Valerianus (253-260) fand die erste allgemeine Christenverfolgung
statt.
Erst Aurelian (270-275) vermochte das Reich in voller Ausdehnung wieder
zusammenzufassen und zu sichern. Diocletian (284-305) führte die
absolutistische
Stellung des Kaisers ein und versuchte die Nachfolge durch das System
der
Tetrarchie zu sichern. 303 begann Diocletian die zweite allgemeine
Christenverfolgung.
Unter seinen Nachfolgern setzte sich Konstantin der Große
(324-337)
durch. Er erkannte das Christentum als Religion an, kehrte zur
monarchischen
Erbfolge zurück und machte Konstantinopel zur neuen Hauptstadt.
Noch
während der Herrschaft seines Sohnes Constantius II. (337-361)
wurde
Julian Apostata (361-363) vom Heer zum Kaiser ausgerufen. Unter seinen
Nachfolgern wurde der Schutz der Grenze (besonders an Rhein und Donau)
immer mehr zum Problem. Die Goten, die, von den Hunnen bedrängt,
376
die Donau überschritten, schlugen Kaiser Valens 378 vernichtend
bei
Adrianopel. Theodosius der Große (392-395), unter dem das
Christentum
Staatsreligion wurde, gelang es, die Gotengefahr durch einen
umfassenden
Friedensvertrag zu bannen. Unter seiner Alleinherrschaft (392-395)
wurde
das Römische Reich letztmals unter einer einheitlichen
Regierungsgewalt
zusammengefasst. Die Teilung des Reichs unter seine Söhne Honorius
und Arcadius brachte die Spaltung in Oströmisches (Byzantinisches)
und Weströmisches Reich. Während das Byzantinische Reich erst
1453 durch die Türken unterging, blieb das Weströmische Reich
nur noch einige Jahrzehnte bestehen; in ihm gründeten die
germanischen
Verbündeten eigene Reiche. 410 plünderten die Westgoten Rom.
476 setzte der germanische Heerführer Odoaker den letzten Kaiser
Romulus
Augustulus ab.
Grampian
Mountains
(Schottland)
kurz Grampians, der höchste Teil
der schottischen Gebirge (im Ben Nevis 1343 m) mit breiten, seenreichen
Tälern.
Wilhelm
I.,
König von England
Wilhelm der Eroberer,
König von England 1066-1087, Herzog
der Normandie 1035-1087, *um 1027 Falaise, † 9. 9. 1087 Rouen;
unehelicher
Sohn von Robert I. von der Normandie; landete 1066 in England und
besiegte
den angelsächsischen König Harald II. in der Schlacht bei
Hastings.
Als König führte er normannische Lehnsverfassung und Sitte in
England ein und stattete seine normannischen Gefolgsleute reichlich mit
angelsächsischem Landbesitz aus. Durch Teilung unter seine
Söhne
löste er die Personalunion zwischen England und der Normandie.
Alexander
II.,
König von Schottland
König von Schottland 1214-1249, *
24. 8. 1198, † 8. 7. 1249; unterstützte die englischen Barone in
ihrem
Kampf gegen den englischen König Johann I. und fiel wiederholt in
England ein. Er erlangte die Unabhängigkeit der schottischen
Kirche.
Tay
längster Fluss Schottlands, 193 km,
entspringt in den Grampian Mountains, mündet bei Perth in den von
einer über 3 km langen Eisenbahnbrücke und einer
Straßenbrücke
überspannten Firth of Tay in die Nordsee.
Loch Ness
See in Nordschottland, zwischen den
Grampian
Mountains und den Northwest Highlands; 65 km2, 230 m tief. Seit
den
1930er Jahren Berichte über ein Seeungeheur im Loch Ness.